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| - | Auf den ersten Blick wirkt die Schaltung komplex. Tatsächlich bestehen | + | Auf den ersten Blick wirkt die Schaltung |
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| - | | + | |
| - | Damit stellt sich eine berechtigte Frage: | + | Damit stellt sich zunächst |
| <WRAP center round important 80%> | <WRAP center round important 80%> | ||
| Line 24: | Line 24: | ||
| Die bisherigen Veranstaltungen haben hauptsächlich die **Modelle und Grundfunktionen einzelner Bauelemente** vermittelt. In einer realen Schaltung müssen diese Bauteile jedoch gemeinsam funktionieren. | Die bisherigen Veranstaltungen haben hauptsächlich die **Modelle und Grundfunktionen einzelner Bauelemente** vermittelt. In einer realen Schaltung müssen diese Bauteile jedoch gemeinsam funktionieren. | ||
| - | * Ein **Widerstand** besitzt nicht nur einen Widerstandswert. | + | * Ein **Widerstand** besitzt |
| - | * Ein **Kondensator** besitzt nicht nur eine Kapazität. Bauart, | + | * Ein **Kondensator** besitzt nicht nur eine Kapazität. |
| - | * Ein **MOSFET** ist nicht einfach nur ein idealer | + | * Ein **MOSFET** ist nicht einfach nur „ein Schalter“. Im jedem Zustand besitzt er einen endlichen Widerstand; sein Gate muss geladen und entladen werden und seine zulässigen Spannungen und Ströme sind begrenzt. |
| - | * Ein **Operationsverstärker** besitzt keine unendliche Verstärkung bei jeder Frequenz. Eingangs- und Ausgangsspannungen, Bandbreite | + | * Ein **Operationsverstärker** besitzt keine unendliche Verstärkung bei jeder Frequenz. |
| - | * Auch eine **digitale logische Funktion** wird letztlich durch reale elektronische Schalter mit endlichen | + | * Selbst |
| <WRAP center round info 80%> | <WRAP center round info 80%> | ||
| - | **Der Schwerpunkt dieses Kurses liegt daher nicht mehr primär | + | **Der Schwerpunkt dieses Kurses liegt daher nicht mehr auf der Frage** |
| „Wie funktioniert dieses Bauteil grundsätzlich? | „Wie funktioniert dieses Bauteil grundsätzlich? | ||
| Line 37: | Line 37: | ||
| **sondern auf den Fragen** | **sondern auf den Fragen** | ||
| - | * „Wie verhält sich dieses Bauteil in einer realen Schaltung? | + | * „Wie verhält sich dieses Bauteil in einer realen Schaltung? |
| - | * „Welche Angaben im Datenblatt sind dafür relevant? | + | * „Welche Angaben im Datenblatt sind dafür relevant? |
| - | * „Welche Grenzen des idealen Modells werden wichtig?“ | + | * „Welche Grenzen des idealen Modells werden wichtig? |
| * „Wie beeinflussen sich mehrere Bauteile gegenseitig? | * „Wie beeinflussen sich mehrere Bauteile gegenseitig? | ||
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| ===== 0.2 Funktionale Aufteilung der Leit-Schaltung ===== | ===== 0.2 Funktionale Aufteilung der Leit-Schaltung ===== | ||
| - | Die vollständige Schaltung | + | Die vollständige Schaltung |
| - | * **Nutzereingabe und Hauptschalter: | + | * **Nutzereingabe und Hauptschalter: |
| - | * **Gate-Treiber-Logik | + | * **Gate-Treiber-Logik: |
| - | * **Gate-Treiber: | + | * **Gate-Treiber: |
| - | * **MOSFET-Vollbrücke: | + | * **MOSFET-Vollbrücke: |
| - | * **Spannungsversorgung: | + | * **Spannungsversorgung: |
| - | * **Strommessung | + | * **Strommessung: |
| + | * **Überstromdetektion: | ||
| + | |||
| + | Diese Blöcke werden im Laufe des Semesters schrittweise geöffnet und analysiert. | ||
| Nicht jede Teilfunktion kann bereits am Anfang vollständig verstanden werden. So wird beispielsweise der Bootstrap-Kondensator erst sinnvoll, nachdem die High-Side-Ansteuerung eines N-Kanal-MOSFETs untersucht wurde. Ebenso lässt sich die LC-Struktur der Hilfsversorgung erst später vollständig einordnen. | Nicht jede Teilfunktion kann bereits am Anfang vollständig verstanden werden. So wird beispielsweise der Bootstrap-Kondensator erst sinnvoll, nachdem die High-Side-Ansteuerung eines N-Kanal-MOSFETs untersucht wurde. Ebenso lässt sich die LC-Struktur der Hilfsversorgung erst später vollständig einordnen. | ||
| - | Die Schaltung wird daher im Laufe des Semesters | + | Die Schaltung wird daher schrittweise |
| ===== 0.3 Vereinfachtes Modell ===== | ===== 0.3 Vereinfachtes Modell ===== | ||
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| - | Die Vollbrücke wird zunächst durch ideale Schalter | + | Die Vollbrücke wird zunächst durch ideale Schalter |
| Damit bleiben drei wesentliche Funktionen sichtbar: | Damit bleiben drei wesentliche Funktionen sichtbar: | ||
| - | * **Steuern: | + | * **Steuern: |
| - | * **Leistung übertragen: | + | * **Leistung übertragen: |
| - | * **Messen und schützen: | + | * **Messen und schützen: |
| Diese vereinfachte Darstellung ist kein alternatives Schaltungsdesign, | Diese vereinfachte Darstellung ist kein alternatives Schaltungsdesign, | ||
| Im Verlauf des Semesters werden die idealisierten Blöcke schrittweise durch reale Schaltungen ersetzt: | Im Verlauf des Semesters werden die idealisierten Blöcke schrittweise durch reale Schaltungen ersetzt: | ||
| - | |||
| * aus dem '' | * aus dem '' | ||
| * aus der '' | * aus der '' | ||
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| | LS | Low Side | Bezeichnet einen Schalter auf der Seite des Bezugspotentials bzw. der Masse. '' | | LS | Low Side | Bezeichnet einen Schalter auf der Seite des Bezugspotentials bzw. der Masse. '' | ||
| | VM | Motor Voltage / Motor Supply Voltage | Versorgungsspannung des Leistungsteils bzw. der Vollbrücke. Im Beispiel beträgt sie $20~\mathrm{V}$. | | | VM | Motor Voltage / Motor Supply Voltage | Versorgungsspannung des Leistungsteils bzw. der Vollbrücke. Im Beispiel beträgt sie $20~\mathrm{V}$. | | ||
| - | | RSENSE | Sense Resistor / Shunt | Niederohmiger Messwiderstand zur Erfassung des Motorstroms. Der Motorstrom erzeugt daran die Messspannung $U_{ | + | | RSENSE | Sense Resistor / Shunt | Niederohmiger Messwiderstand zur Erfassung des Motorstroms. | |
| - | m SENSE}=I\cdot R_{ | + | |
| - | m SENSE}$. | | + | |
| | OCP | Over-Current Protection | Überstromschutz. Das Signal zeigt an, dass der festgelegte maximale Motorstrom überschritten wurde und dient zur Abschaltung der Leistungsstufe. | | | OCP | Over-Current Protection | Überstromschutz. Das Signal zeigt an, dass der festgelegte maximale Motorstrom überschritten wurde und dient zur Abschaltung der Leistungsstufe. | | ||
| | ROM | Read Only Memory | Nichtflüchtiger Festwertspeicher. Im vereinfachten Modell bildet er die Eingangssignale auf die Schaltzustände der Vollbrücke ab. | | | ROM | Read Only Memory | Nichtflüchtiger Festwertspeicher. Im vereinfachten Modell bildet er die Eingangssignale auf die Schaltzustände der Vollbrücke ab. | | ||
| Line 116: | Line 116: | ||
| Damit wächst die vollständige Leit-Schaltung im Laufe des Semesters aus bereits verstandenen Teilfunktionen zusammen. | Damit wächst die vollständige Leit-Schaltung im Laufe des Semesters aus bereits verstandenen Teilfunktionen zusammen. | ||
| - | ===== 0.5 Überblick | + | ===== 0.5 Ausblick auf das Semester ===== |
| + | |||
| + | Die Leit-Schaltung wird im Verlauf des Semesters schrittweise erschlossen. Dabei gliedert sich der Kurs in drei größere Themenbereiche. | ||
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| + | ==== 0.5.1 Reale passive Bauteile und frequenzabhängiges Verhalten ==== | ||
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| + | Im ersten Teil geht es um den Übergang vom idealen Bauteilmodell zum realen Bauteil. Gleichzeitig werden die Werkzeuge eingeführt, | ||
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| + | ^ Block ^ Thema ^ Leitfrage / zentraler Gedanke ^ Bezug zur Leit-Schaltung ^ | ||
| + | | **01** | **Vom Schaltplansymbol zum realen Bauteil** | Was unterscheidet Symbol, Modell und physisches Bauteil? | Shunt, Widerstände, | ||
| + | | **02** | **Frequenzgang, | ||
| + | | **03** | **Der reale Kondensator** | Warum verhält sich ein echter Kondensator nicht wie $\frac{1}{j\omega C}$? | Kondensatoren der Leit-Schaltung, | ||
| + | | **04** | **Passive Filter und Filterentwurf** | Wie lässt sich ein gewünschtes Frequenzverhalten gezielt einstellen? | RC-Tiefpass, | ||
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| + | Am Ende dieses Abschnitts sollen reale passive Bauteile nicht mehr nur über ihren Nennwert beschrieben werden. Stattdessen werden Bauform, thermisches Verhalten und Frequenzabhängigkeit gemeinsam betrachtet. | ||
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| + | ==== 0.5.2 Analoge Signalverarbeitung und Schutz ==== | ||
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| + | Im zweiten Teil wird aus kleinen analogen Messsignalen eine auswertbare und robuste Schutzinformation. Dabei werden bekannte OPV-Grundlagen aus den vorherigen Veranstaltungen aufgegriffen und in konkreten Schaltungen eingesetzt. | ||
| + | |||
| + | ^ Block ^ Thema ^ Leitfrage / zentraler Gedanke ^ Bezug zur Leit-Schaltung ^ | ||
| + | | **05** | **Operationsverstärker und aktive Filter** | Wie werden aus passiven Netzwerken aktive Signalverarbeitungsschaltungen? | ||
| + | | **06** | **Komparator und Schmitt-Trigger** | Wann wollen wir nicht verstärken, | ||
| + | | **07** | **Referenzspannung und Überstromschutz** | Wie wird aus einem Messwert eine robuste Schutzfunktion? | ||
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| + | Nach diesem Abschnitt ist der Mess- und Schutzpfad der Leit-Schaltung weitgehend erschlossen: | ||
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| + | ==== 0.5.3 Leistungselektronik und Gesamtsystem | ||
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| + | Im dritten Teil wird der zunächst ideale Leistungsschalter schrittweise durch eine reale MOSFET-Leistungsstufe ersetzt. Aus einem einzelnen Schalter entsteht zunächst eine Halbbrücke und schließlich die vollständige H-Brücke. | ||
| - | ^ Block ^ Thema ^ Bezug zur Leit-Schaltung ^ | + | ^ Block ^ Thema ^ Leitfrage / zentraler Gedanke |
| - | | 01 | Vom Schaltplansymbol zum realen Bauteil | Shunt, Bauformen, thermisches Verhalten, reale Schalter | | + | | **08** | **MOSFET als realer Schalter** | Warum ist „Gate high = an“ nicht die ganze Wahrheit? |
| - | | 02 | Frequenzgang, | + | | **09** | **Halbbrücke und induktive Last** | Was passiert mit dem Strom, wenn der Schalter öffnet? | Halbbrücke, |
| - | | 03 | Der reale Kondensator | Versorgungskondensatoren, | + | | **10** | **High-Side-Ansteuerung** | Wie schaltet man einen N-Kanal-MOSFET oberhalb von $V_M$? | Floating Supply, Bootstrap |
| - | | 04 | Passive Filter und Filterentwurf | Filterung von Mess- und Störsignalen | | + | | **11** | **H-Brücke, PWM und Totzeit** | Wie entstehen Drehrichtung, |
| - | | 05 | Operationsverstärker und aktive Filter | Signalverstärkung und aktive Filterstrukturen | | + | | **12** | **Hilfsversorgung und Gesamtsystem** | Wie wird aus den Einzelblöcken eine funktionierende Elektronik? | $V_{\rm DRV}$-Erzeugung, DC/ |
| - | | 06 | Komparator und Schmitt-Trigger | Umwandlung eines analogen Messsignals in eine robuste Schaltentscheidung | | + | |
| - | | 07 | Referenzspannung und Überstromschutz | VREF, OCP und Abschaltung der Leistungsstufe | | + | |
| - | | 08 | MOSFET als realer Schalter | Low-Side-Schalter, $R_{ | + | |
| - | m DS(on)}$, Gate-Ladung und Schaltverluste | | + | |
| - | | 09 | Halbbrücke und induktive Last | Strompfade, Freilauf und Motorinduktivität | + | |
| - | | 10 | High-Side-Ansteuerung | Gate-Treiber, | + | |
| - | | 11 | H-Brücke, PWM und Totzeit | vollständige Vollbrücke, Drehrichtung, PWM und Shoot-through | | + | |
| - | | 12 | Hilfsversorgung und Gesamtsystem | VDRV-Erzeugung und Zusammenführung der Teilsysteme | + | |
| - | ===== 0.6 Ausblick ===== | + | Am Ende des Semesters soll die anfangs komplex wirkende Schaltung als Zusammenspiel nachvollziehbarer funktionaler Blöcke verstanden werden. |
| - | Block 00 dient als Orientierung und Referenz für das gesamte Semester. Die hier gezeigte vollständige Schaltung muss zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Detail verstanden werden. | ||
| - | Ab Block 01 wird jeweils ein begrenzter Teil der Schaltung genauer untersucht. Ziel ist, dass am Ende des Semesters die anfangs komplex wirkende Leit-Schaltung aus bekannten und begründbaren Teilfunktionen besteht. | ||