In den bisherigen Lehrveranstaltungen wurde der Kondensator zunächst als ideales Bauteil betrachtet.
Für die gespeicherte Ladung gilt $Q=C\cdot U$ und für den Strom $i=C\cdot {{du}\over{dt}}$.
Im Frequenzbereich wird der Kondensator durch die Impedanz $Z_C={1\over{\rm j}\omega C}$ beschrieben.
Damit folgt für den Betrag:
$$|Z_C|={1\over{\omega C}}$$
Je höher die Frequenz wird, desto kleiner wird also nach diesem Modell die Impedanz.
Für $f\rightarrow\infty$ würde damit gelten:
$$|Z_C (f\rightarrow\infty)|\rightarrow0$$
Ein idealer Kondensator müsste sich bei sehr hohen Frequenzen daher immer stärker wie ein Kurzschluss verhalten.
Ein realer Kondensator tut das jedoch nicht.
Misst man die Impedanz eines realen Kondensators über einen großen Frequenzbereich, ergibt sich typischerweise ein Verlauf wie:
Der Kondensator scheint bei hohen Frequenzen also irgendwann seine „Rolle zu wechseln“.
Genau diese Beobachtung führt zurück zur zentralen Idee aus Block 01:
Das ideale Modell ist notwendig, aber für den Aufbau einer realen elektronischen Schaltung nicht ausreichend.
In der Leit-Schaltung werden Kondensatoren an sehr unterschiedlichen Stellen eingesetzt.
Sie
Damit stellt sich nicht nur die Frage
„Welche Kapazität benötige ich?“
sondern vielmehr:
„Wie verhält sich dieser reale Kondensator bei der Spannung, Frequenz und Strombelastung meiner konkreten Anwendung?“
Nach diesem 90-minütigen Block können Sie
Wiederholen Sie:
Überlegen Sie vor der Veranstaltung:
Beginnen wir mit dem Modell, das bereits bekannt ist.
Für einen idealen Kondensator und sinusförmige Signale wurde im 2. Semester aus $Q=C\cdot U$ folgende Formel hergeleitet:
$$Z_C={1\over{\rm j}\omega C}$$
Für den Betrag folgte:
$$|Z_C|={1\over{\omega C}}$$
Wird die Frequenz um den Faktor 10 erhöht, sinkt der Betrag der Impedanz um den Faktor 10.
Aus Block 02 wissen wir nun:
Ein Faktor $0.1$ entspricht $-20~\mathrm{dB}$.
Der Betrag der Kondensatorimpedanz besitzt daher im logarithmischen Diagramm eine Steigung von
$-20~\mathrm{dB/dec}$.
Das ideale Kondensatormodell sagt voraus:
Betrachten Sie einen idealen Kondensator beispielsweise mit
$C=10~\mathrm{uF}$.
Bestimmen Sie $|Z_C|$ bei:
Bei jeder Verzehnfachung der Frequenz sinkt die Impedanz auf ein Zehntel.
Bis hierhin verhält sich der Kondensator genau so, wie es das bekannte Modell vorhersagt.
Doch reale Kondensatoren zeigen bei ausreichend hohen Frequenzen ein anderes Verhalten.
Ein realer Kondensator besteht nicht nur aus einer idealen Kapazität.
Bereits die Anschlüsse, Elektroden und Materialien des Bauteils besitzen zusätzliche elektrische Eigenschaften.
Ein häufig verwendetes vereinfachtes Ersatzschaltbild enthält:
Elektroden, Anschlussdrähte, Kontaktierungen und das Elektrolyt besitzen endliche Widerstände.
Diese Verluste werden im vereinfachten Modell als Equivalent Series Resistance, kurz ESR, zusammengefasst.
Für einen Wechselstrom durch den Kondensator entsteht damit eine Verlustleistung:
$P_{\rm ESR}=I_{\rm RMS}^2\cdot R_{\rm ESR}$.
Das ist insbesondere bei Kondensatoren wichtig, durch die ein großer Ripple-Strom fließt.
Ein Kondensator kann sich deshalb deutlich erwärmen, obwohl sein idealer Anteil $C$ selbst keine Wirkleistung aufnimmt.
Ein Kondensator kann thermisch überlastet werden, obwohl seine Spannungsfestigkeit nicht überschritten wird.
Entscheidend kann der Strom durch den ESR sein.
Jeder Strompfad erzeugt ein Magnetfeld.
Auch die Anschlüsse und internen Elektroden eines Kondensators besitzen deshalb eine Induktivität.
Diese wird im vereinfachten Modell als Equivalent Series Inductance, kurz ESL, beschrieben.
Für eine Induktivität gilt:
$Z_L={\rm j}\omega L$
und für den Betrag
$|Z_L|=\omega L$.
Anders als beim Kondensator steigt die Impedanz einer Induktivität mit zunehmender Frequenz.
Im logarithmischen Diagramm ergibt sich eine Steigung von
$+20~\mathrm{dB/dec}$.
Damit wirken im realen Kondensator zwei Effekte gegeneinander:
Irgendwann sind beide gleich groß.
Ein realer Kondensator hält seine Ladung nicht unbegrenzt.
Durch das Dielektrikum fließt ein kleiner Leckstrom.
Im vereinfachten Ersatzschaltbild kann dieser durch einen großen parallelen Widerstand $R_{\rm leak}$ beschrieben werden.
Für viele Signal- und Hochfrequenzanwendungen spielt dieser Widerstand nur eine geringe Rolle.
Bei
kann der Leckstrom jedoch relevant werden.
Vernachlässigen wir zunächst den Leckstrom.
Dann ergibt sich aus ESR, ESL und $C$ näherungsweise
$\underline Z = R_{\rm ESR} + {\rm j}\omega L_{\rm ESL} + {1\over{\rm j}\omega C}$.
Die beiden imaginären Anteile besitzen entgegengesetztes Vorzeichen:
${\rm j}\omega L_{\rm ESL}$
und
$-{ {\rm j}\over{\omega C}}$.
Dadurch können sie sich bei einer bestimmten Frequenz gegenseitig aufheben.
Bei niedrigen Frequenzen gilt:
$|Z_C|\gg|Z_L|$.
Das Verhalten wird damit überwiegend durch die Kapazität bestimmt.
Mit steigender Frequenz sinkt der Betrag der Impedanz näherungsweise mit
$-20~\mathrm{dB/dec}$.
Bei einer bestimmten Frequenz gilt
$|Z_C|=|Z_L|$.
Damit:
${1\over\omega C}=\omega L$.
Daraus folgt:
$\omega^2={1\over LC}$
und damit
$\boxed{f_{\rm SRF}={1\over2\pi\sqrt{LC}}}$.
Diese Frequenz wird als Self Resonant Frequency, kurz SRF, bzw. Eigenresonanzfrequenz bezeichnet.
Bei dieser Frequenz heben sich der kapazitive und induktive Blindanteil näherungsweise gegenseitig auf.
Zurück bleibt im vereinfachten Serienmodell hauptsächlich der ESR.
Die Impedanz besitzt daher in der Umgebung der Eigenresonanz ein Minimum.
Oberhalb der Eigenresonanz gilt zunehmend
$|Z_L|>|Z_C|$.
Der reale Kondensator verhält sich dann überwiegend induktiv.
Die Impedanz steigt näherungsweise wieder mit
$+20~\mathrm{dB/dec}$.
Ein realer Kondensator ist nur in einem begrenzten Frequenzbereich tatsächlich überwiegend kapazitiv.
Der typische Verlauf kann nun direkt mit den Werkzeugen aus Block 02 interpretiert werden:
Damit wird deutlich, warum die Bode-Darstellung bereits vor dem realen Kondensator eingeführt wurde.
Sie erlaubt es, das Verhalten eines realen Bauteils über viele Frequenzdekaden auf einen Blick zu erkennen.
Bauen Sie in Falstad zwei Modelle auf:
Modell A: idealer Kondensator
Modell B: vereinfachter realer Kondensator
Untersuchen Sie beide Modelle über einen möglichst großen Frequenzbereich.
Beobachten Sie:
Die parasitäre Induktivität entsteht nicht nur im Kondensator.
Auch die Verbindung zwischen Kondensator und Schaltung besitzt eine Induktivität.
Dazu gehören beispielsweise
Damit kann ein grundsätzlich geeigneter Kondensator durch ungünstiges Layout bei hohen Frequenzen deutlich schlechter wirken.
Ein typisches Beispiel ist ein Abblockkondensator.
Soll ein Kondensator schnelle Stromänderungen eines ICs lokal liefern, muss der gesamte Strompfad klein sein.
Bei hohen Frequenzen zählt nicht nur welcher Kondensator verwendet wird, sondern auch wo er sitzt.
Ein Kondensator direkt neben den Versorgungspins eines ICs kann deshalb deutlich wirksamer sein als derselbe Kondensator einige Zentimeter entfernt.
Hinweis: Die Simulation gibt ein stark vereinfachtes Bild wieder. Die Reaktion des Mikrocontroller ist auf ein Dreiecksignal reduziert dargestellt, da die Flankensteilheit der Spannungen nicht abgebildet werden können. Eine reale Simulation erfordert ein leistungsfähiges SPICE-Programm, in welchem die Leitungstheorie abgebildet werden kann.
Weitere Details sind hier (Praxis), hier (Platinen-Layout) oder hier (Tutorial von Analog Devices) zu finden.
Bisher wurde der Kondensator hauptsächlich als frequenzabhängige Impedanz betrachtet.
Seine grundlegendste Eigenschaft ist jedoch:
$Q=C\cdot U$.
Ein Kondensator kann also Ladung speichern.
Wird ein geladener Kondensator anschließend mit anderen Knoten einer Schaltung verbunden, kann diese Ladung auf ein anderes Potential „mitgenommen“ werden.
Genau dieses Prinzip wird in Ladungspumpen verwendet.
Betrachten Sie die folgende Schaltung.
Die Schaltung besitzt zwei Kondensatoren mit unterschiedlichen Aufgaben.
Der erste Kondensator wird zunächst geladen.
Danach werden seine Anschlüsse durch die Schalter auf andere Potentiale umgeschaltet.
Wichtig ist dabei:
Die Spannung am Kondensator kann sich nicht sprunghaft ändern.
Wurde beispielsweise ein Kondensator auf $1~\mathrm{V}$ geladen und anschließend sein unterer Anschluss von $0~\mathrm{V}$ auf $1~\mathrm{V}$ angehoben, versucht der Kondensator weiterhin seine Spannung von ungefähr $1~\mathrm{V}$ beizubehalten.
Der obere Anschluss wird dadurch auf ungefähr
$2~\mathrm{V}$
angehoben.
Der Kondensator „erzeugt“ dabei keine Energie.
Vielmehr wird
Dieses Prinzip wird als Charge Pump bzw. Ladungspumpe bezeichnet.
Untersuchen Sie die Simulation.
Dieses Prinzip begegnet uns später erneut in der Leit-Schaltung.
Dort werden ausschließlich N-Kanal-MOSFETs eingesetzt.
Beim Low-Side-MOSFET ist die Ansteuerung zunächst einfach:
Der Source-Anschluss befindet sich in der Nähe von GND.
Um den MOSFET einzuschalten, muss das Gate lediglich einige Volt über dieses Potential angehoben werden.
Beim High-Side-MOSFET ist die Situation schwieriger.
Wenn dieser MOSFET eingeschaltet ist, liegt sein Source-Anschluss ungefähr auf der Motorspannung $V_{\rm M}$.
Damit muss auch sein Gate auf ein Potential oberhalb von $V_{\rm M}$ angehoben werden.
Eine normale auf Masse bezogene Logikversorgung reicht dafür nicht aus.
Hier kommt ein Kondensator ins Spiel:
der Bootstrap-Kondensator.
Das Grundprinzip ähnelt der zuvor betrachteten Ladungspumpe:
Der Bootstrap-Kondensator ist kein „magischer Spannungsverstärker“.
Er nutzt dieselbe grundlegende Eigenschaft wie die Ladungspumpe:
Ein geladener Kondensator behält seine Spannung zunächst bei, auch wenn sein Bezugspotential verschoben wird.
Die genaue Bootstrap-Schaltung und die Dimensionierung werden später bei der High-Side-Ansteuerung behandelt.
Für diesen Block ist zunächst wichtig:
Der Kondensator wird hier nicht als Filter verwendet, sondern als temporärer Ladungs- und Energiespeicher auf einem beweglichen Potential.
Nachdem die wichtigsten realen Eigenschaften bekannt sind, können unterschiedliche Kondensatortechnologien sinnvoll verglichen werden.
Nicht jede Technologie optimiert dieselben Eigenschaften.
Typische Stärken
Zu beachten
Typische Anwendungen
Typische Stärken
Zu beachten
Typische Anwendungen
Typische Stärken
Zu beachten
Typische Anwendungen
Diese Gegenüberstellung zeigt:
Die Frage
„Welcher Kondensatortyp ist der beste?“
ist nicht sinnvoll.
Entscheidend ist immer die konkrete Aufgabe.
Für schnelle Schaltvorgänge kann ein kleiner MLCC hervorragend geeignet sein.
Für die Speicherung größerer Energiemengen kann dagegen ein Elektrolytkondensator deutlich sinnvoller sein.
Bisher wurde stillschweigend angenommen, dass ein Kondensator mit der Beschriftung
$C=10~\mathrm{\mu F}$
auch tatsächlich immer eine Kapazität von $10~\mathrm{\mu F}$ besitzt.
Bei einem realen Kondensator hängt die wirksame Kapazität jedoch von verschiedenen Einflüssen ab.
Wie beim Widerstand besitzt auch die Kapazität eine Fertigungstoleranz.
Ein nomineller Wert von beispielsweise
$10~\mathrm{\mu F}\pm20~\%$
kann bereits bei Referenzbedingungen deutlich vom Nennwert abweichen.
Die Temperaturabhängigkeit hängt stark von der verwendeten Technologie und insbesondere vom Dielektrikum ab.
Bei keramischen Kondensatoren sind beispielsweise Bezeichnungen wie
zu finden.
Sie beschreiben unter anderem das Temperaturverhalten und die verwendete Materialklasse.
Besonders wichtig ist bei keramischen Mehrschichtkondensatoren der sogenannte DC-Bias-Effekt.
Bei angelegter Gleichspannung kann die wirksame Kapazität deutlich unter den Nennwert sinken.
Ein Kondensator mit der Beschriftung
$10~\mathrm{\mu F},\ 25~\mathrm{V}$
muss bei
$20~\mathrm{V}$
also keineswegs noch $10~\mathrm{\mu F}$ besitzen.
Die Spannungsangabe von $25~\mathrm{V}$ bedeutet zunächst nur, dass der Kondensator für diese Spannung spezifiziert ist.
Sie garantiert nicht, dass die Nennkapazität bis zu dieser Spannung konstant bleibt.
Spannungsfestigkeit und wirksame Kapazität sind zwei unterschiedliche Datenblattangaben.
Bei Kondensatoren beeinflusst die Baugröße nicht nur die mechanische Verarbeitung.
Eine kleinere Bauform kann gleichzeitig bedeuten:
Deshalb werden für hochfrequente Abblockung häufig kleine SMD-Kondensatoren eingesetzt.
Allerdings entsteht erneut ein Zielkonflikt:
Kleinere keramische Bauformen können bei gleicher Nennkapazität und Spannung einen stärkeren DC-Bias-Effekt besitzen.
Die kleinste Bauform ist daher nicht automatisch die beste Wahl.
Betrachten wir nun die Kondensatoren an der Versorgung der Motortreiberschaltung.
Die Leistungsstufe schaltet den Motorstrom mit hoher Geschwindigkeit.
Dadurch entstehen schnelle Änderungen des Strombedarfs.
Die Versorgung muss deshalb Strom über unterschiedliche Zeitskalen bereitstellen.
Ein großer Kondensator kann vergleichsweise viel Energie speichern:
$E={1\over2}CU^2$.
Er eignet sich daher gut, um langsamere Änderungen des Strombedarfs zu puffern.
Für sehr schnelle Stromänderungen werden dagegen
wichtiger.
Deshalb findet man häufig mehrere Kondensatoren parallel:
Mehrere parallele Kondensatoren werden nicht einfach eingesetzt, weil „mehr Kapazität besser ist“.
Sie können unterschiedliche Frequenzbereiche und unterschiedliche Aufgaben abdecken.
Für die Auswahl eines realen Kondensators sollten mindestens folgende Punkte geprüft werden:
Wie bereits beim Widerstand aus Block 01 gilt:
Datenblattstrategie: Nicht das gesamte Datenblatt lesen.
Zuerst die Anforderungen der Anwendung formulieren und anschließend gezielt prüfen, ob der konkrete Kondensator diese erfüllt.
Ein Kondensator besitzt $C=100~\mathrm{nF}$.
1. Bestimmen Sie den Betrag der idealen Kondensatorimpedanz bei $f=1~\mathrm{kHz}$.
Es gilt:
$|Z_C|={1\over2\pi fC}$.
Damit ergibt sich
$|Z_C| ={1\over2\pi\cdot1~\mathrm{kHz}\cdot100~\mathrm{nF}} \approx1.59~\mathrm{k\Omega}$.
2. Wie groß ist die Impedanz bei $10~\mathrm{kHz}$?
Die Frequenz wurde um den Faktor 10 erhöht.
Da $|Z_C|\sim1/f$ gilt, sinkt die Impedanz ebenfalls um den Faktor 10.
Damit:
$|Z_C|\approx159~\Omega$.
3. Welche Steigung ergibt sich daraus im logarithmischen Impedanzdiagramm?
Eine Verzehnfachung der Frequenz reduziert die Impedanz auf ein Zehntel.
Der Faktor $0.1$ entspricht $-20~\mathrm{dB}$.
Damit besitzt der ideale Kondensator eine Steigung von
$-20~\mathrm{dB/dec}$.
Ein vereinfachtes Kondensatormodell besitzt
1. Bestimmen Sie näherungsweise die Eigenresonanzfrequenz.
Die Eigenresonanz liegt bei
$f_{\rm SRF}={1\over2\pi\sqrt{L_{\rm ESL}C}}$.
Damit:
$f_{\rm SRF} = {1\over 2\pi\sqrt{ 10~\mathrm{nH}\cdot100~\mathrm{nF} }} \approx5.0~\mathrm{MHz}$.
2. Welches Bauteilverhalten dominiert deutlich unterhalb dieser Frequenz?
Unterhalb der Eigenresonanz gilt überwiegend
$|Z_C|>|Z_L|$.
Der kapazitive Anteil dominiert.
Der reale Kondensator verhält sich dort näherungsweise wie ein Kondensator.
3. Welches Verhalten dominiert deutlich oberhalb der Eigenresonanz?
Oberhalb der Eigenresonanz wird der induktive Blindwiderstand zunehmend größer.
Die parasitäre ESL dominiert.
Das Bauteil verhält sich damit zunehmend wie eine Induktivität.
4. Welche Rolle spielt der ESR ungefähr bei der Eigenresonanz?
Bei der Eigenresonanz heben sich kapazitiver und induktiver Blindanteil näherungsweise auf.
Damit bleibt im vereinfachten Serienmodell hauptsächlich der ESR übrig.
Er bestimmt daher wesentlich das Impedanzminimum.
Durch einen Kondensator fließt ein Wechselstromanteil mit
$I_{\rm RMS}=1.5~\mathrm{A}$.
Der ESR des Kondensators beträgt
$R_{\rm ESR}=80~\mathrm{m\Omega}$.
1. Bestimmen Sie die Verlustleistung im ESR.
Es gilt
$P_{\rm ESR}=I_{\rm RMS}^2R_{\rm ESR}$.
Damit:
$P_{\rm ESR} =(1.5~\mathrm{A})^2\cdot80~\mathrm{m\Omega} =0.18~\mathrm{W}$.
2. Warum kann diese Verlustleistung für die Bauteilauswahl relevant sein?
Die Verlustleistung wird im realen Kondensator in Wärme umgesetzt.
Dadurch steigt die Bauteiltemperatur.
Insbesondere bei Elektrolytkondensatoren kann eine erhöhte Temperatur die Lebensdauer deutlich reduzieren.
Deshalb wird in Datenblättern häufig ein maximal zulässiger Ripple-Strom angegeben.
Ein Kondensator wird zunächst auf
$U_C=5~\mathrm{V}$
geladen.
Sein unterer Anschluss liegt dabei auf
$0~\mathrm{V}$.
Anschließend wird der untere Anschluss ideal und sehr schnell auf
$20~\mathrm{V}$
angehoben.
1. Welche Spannung liegt unmittelbar nach dem Umschalten näherungsweise am oberen Anschluss des Kondensators?
Die Kondensatorspannung kann sich nicht sprunghaft ändern.
Vor dem Umschalten gilt:
$U_C=5~\mathrm{V}$.
Wird der untere Anschluss von $0~\mathrm{V}$ auf $20~\mathrm{V}$ angehoben, muss der obere Anschluss unmittelbar danach näherungsweise bei
$20~\mathrm{V}+5~\mathrm{V} =25~\mathrm{V}$
liegen.
2. Hat der Kondensator dabei aus $5~\mathrm{V}$ eine neue Energiequelle mit $25~\mathrm{V}$ erzeugt?
Nein.
Der Kondensator hat zuvor Ladung bzw. Energie gespeichert.
Durch das Umschalten wurde sein Bezugspotential verschoben.
Die gespeicherte Kondensatorspannung bleibt dabei zunächst erhalten und wird zum neuen Bezugspotential addiert.
Energie muss zuvor durch die Ladeschaltung bereitgestellt worden sein.
3. Warum ist dieses Prinzip für die spätere Ansteuerung eines N-Kanal-High-Side-MOSFETs interessant?
Ist der High-Side-MOSFET eingeschaltet, liegt sein Source-Anschluss ungefähr auf der Motorspannung.
Damit der MOSFET leitend bleibt, muss das Gate nochmals einige Volt oberhalb des Source-Potentials liegen.
Ein Bootstrap-Kondensator kann seine zuvor gespeicherte Spannung beim Anheben des Source-Potentials „mitnehmen“.
Dadurch kann kurzzeitig eine Gate-Spannung oberhalb der Motorspannung erzeugt werden.
Für eine Schaltung werden drei unterschiedliche Kondensatoraufgaben betrachtet:
Ordnen Sie jeweils eine geeignete Kondensatortechnologie zu und begründen Sie Ihre Entscheidung.
A: lokale HF-Abblockung
Typischerweise ist ein kleiner keramischer MLCC geeignet.
Wichtig sind insbesondere geringe ESL, geringe Anschlussinduktivität und kurze Leiterbahnen.
B: Pufferung der Versorgung
Für größere Energiemengen ist beispielsweise ein Aluminium-Elektrolytkondensator geeignet.
Er bietet große Kapazitätswerte.
Für schnelle Stromanteile wird häufig zusätzlich ein kleiner keramischer Kondensator parallel eingesetzt.
C: Bootstrap
Hier eignet sich typischerweise ein keramischer Kondensator.
Er soll schnell geladen und entladen werden und dabei eine möglichst stabile gespeicherte Spannung bereitstellen.
Wichtig sind geringe Verluste und eine ausreichend große wirksame Kapazität bei der tatsächlich anliegenden Spannung.
In diesem Block wurde untersucht, wie sich ein Kondensator selbst verhält.
Nun kennen wir
Im nächsten Block wird der Blick wieder auf die Schaltung gerichtet.
Widerstand und Kondensator werden gezielt miteinander kombiniert, um einen gewünschten Frequenzgang zu erzeugen.
Die zentrale Frage lautet dann:
Wie wählen wir $R$ und $C$ so, dass gewünschte Frequenzen übertragen und unerwünschte Frequenzen ausreichend gedämpft werden?
Damit folgt der Übergang zum passiven Filterentwurf.