In der Leit-Schaltung wird der Motor mit einem PWM-Signal angesteuert. Gleichzeitig soll über den Shunt ein möglichst gut auswertbares Stromsignal gewonnen werden.
Damit treffen zwei sehr unterschiedliche Betrachtungsweisen aufeinander:
Warum ist diese zweite Sichtweise hilfreich?
Betrachten wir zunächst ein Signal, das durch hochfrequente Störungen überlagert ist.
Links ist das ursprüngliche Signal zu sehen. Anschließend wird Rauschen hinzugefügt. Nach den beiden Filterstufen nimmt der hochfrequente Anteil sichtbar ab.
Dabei entsteht jedoch ein Zielkonflikt: Das Signal wird glatter, gleichzeitig werden aber auch schnelle Änderungen des Nutzsignals abgeschwächt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
„Filtert die Schaltung?“
sondern vielmehr:
„Welche Frequenzen werden wie stark übertragen?“
Genau dafür werden in diesem Block Frequenzgang, Dezibel und Bode-Diagramm eingeführt.
Nach diesem 90-minütigen Block können Sie
Aus den vorherigen Lehrveranstaltungen werden folgende Zusammenhänge vorausgesetzt:
Überlegen Sie vor der Veranstaltung:
Bisher wurden Spannungen häufig als Funktion der Zeit betrachtet: $u(t)$.
Eine solche Darstellung beantwortet beispielsweise die Fragen:
Für viele elektronische Schaltungen ist aber zusätzlich interessant, wie die Schaltung auf unterschiedliche Frequenzen reagiert.
Als Testsignal eignet sich besonders eine sinusförmige Spannung
$$u_{\rm I}(t)=\hat U_{\rm I}\sin(\omega t)$$
Nach dem Einschwingen entsteht in einer linearen Schaltung am Ausgang wieder ein sinusförmiges Signal mit derselben Frequenz.
Seine Amplitude und seine zeitliche Lage können sich jedoch ändern:
$$u_{\rm O}(t)=\hat U_{\rm O}\sin(\omega t+\varphi)$$
Damit reichen zwei Größen aus, um die Wirkung der Schaltung bei einer bestimmten Frequenz zu beschreiben:
Ein Frequenzgang beantwortet für jede Frequenz zwei Fragen:
Für ein periodisches Signal gilt $f=1/T$. Die Kreisfrequenz lautet $\omega=2\pi f$.
Damit entspricht beispielsweise eine Frequenz von $f=1~\mathrm{kHz}$ einer Periodendauer von $T=1~\mathrm{ms}$ und einer Kreisfrequenz von ungefähr $\omega=6283~\mathrm{rad/s}$.
In Datenblättern, Simulationen und Bode-Diagrammen wird meist die Frequenz $f$ in $\mathrm{Hz}$ verwendet. In Gleichungen ist dagegen häufig $\omega$ zu finden.
Die Phase kann auch aus einer Zeitverschiebung zwischen zwei sinusförmigen Signalen bestimmt werden.
Eine vollständige Periodendauer $T$ entspricht $360^\circ$. Für eine Zeitverschiebung $\Delta t$ gilt daher
$$\varphi=360^\circ\cdot{\Delta t\over T}$$
Je nach Richtung der Verschiebung wird die Phase positiv oder negativ angegeben.
Beispiel: Bei $f=1~\mathrm{kHz}$ gilt $T=1~\mathrm{ms}$. Ist das Ausgangssignal gegenüber dem Eingang um $250~\mathrm{\mu s}$ verzögert, entspricht dies einer Phasenverschiebung von $90^\circ$.
Das Spannungsübertragungsverhältnis einer Schaltung wird mit
$$A_{\rm V}={U_{\rm O}\over U_{\rm I}}$$
beschrieben.
Ist $A_{\rm V}=1$, besitzen Ein- und Ausgang dieselbe Amplitude. Bei $A_{\rm V}=0.1$ besitzt das Ausgangssignal nur noch ein Zehntel der Eingangsamplitude.
Für eine frequenzabhängige Schaltung ist $A_{\rm V}$ jedoch keine einzelne Zahl mehr:
$$A_{\rm V}=A_{\rm V}(f)$$
Zusätzlich kann zwischen Ein- und Ausgang eine Phasenverschiebung entstehen. Vollständig wird die Übertragung deshalb durch eine komplexe Größe beschrieben:
$$\underline A_{\rm V}(f)={\underline U_{\rm O}(f)\over\underline U_{\rm I}(f)}$$
Für die praktische Betrachtung wird diese komplexe Größe in Betrag und Phase zerlegt:
Wir werden im Folgenden vor allem lernen, diese beiden Größen zu lesen und zu interpretieren. Die detaillierte Herleitung konkreter Filter folgt später.
Die Dezibel-Skala ist eine Hilfsdarstellung, welche die Arbeit mit Verhältnissen vereinfacht, beispielsweise mit dem Verhältnis $U_2/U_1$.
Solche Verhältnisse werden in der Technik auch als Pegel bezeichnet. Durch die Angabe eines Pegels kann eine Größe auf eine Referenzgröße bezogen werden.
In elektronischen Schaltungen wird Dezibel häufig für Strom- oder Spannungsverhältnisse verwendet. Für diesen Kurs wird dies insbesondere für die Spannungsverstärkung
$$A_{\rm V} = \frac{U_\rm O}{U_\rm I}$$
und allgemein für Übertragungsfaktoren wichtig.
Die Umrechnung eines Spannungs- bzw. Stromverhältnisses in einen Pegel in $\rm dB$ ist definiert durch:
$\boxed{A_{\rm V}^{\rm dB}=20 ~{\rm dB} \cdot \log_{10}\left(\frac{U_2}{U_1}\right)=20 ~{\rm dB} \cdot \log_{10} A_\rm V}$ bzw. $A_{\rm C}^{\rm dB}=20 ~{\rm dB} \cdot \log_{10}\left(\frac{I_2}{I_1}\right)$
| Bezeichnung | Symbol | Formel | Bezugswert für 0 dB |
|---|---|---|---|
| Spannungspegel | $\rm dBV$ | $20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(V/V_{\rm ref})$ | $\rm 0~dBV \widehat{=} 1~V$ |
| Leistungspegel | $\rm dBm$ | $10~{\rm dB} \cdot \log_{10}(P/P_{\rm ref})$ | $\rm 0~dBm \widehat{=} 1~mW$ |
| Leistungspegel | $\rm dBW$ | $10~{\rm dB} \cdot \log_{10}(P/P_{\rm ref})$ | $\rm 0~dBW \widehat{=} 1~W$ |
| Full-Scale-Pegel | $\rm dBFS$ | $20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(V/V_{\rm max})$ | $\rm 0~dBFS \widehat{=} V_{max}$ |
| Schalldruckpegel | $\rm dBA$ | $20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(p/p_{\rm ref})$ | $\rm 0~dBA \widehat{=} 20~µPa$ |
Beachten Sie, dass sich die Gleichung für Leistungsgrößen, also beispielsweise Verhältnisse von $P$, etwas verändert.
Da $P \sim U^2$ bzw. $U \sim P^\frac{1}{2}$ gilt, ergibt sich:
$A_P^{\rm dB}= 20 ~{\rm dB} \cdot \log_{10}\left(\frac{P_2^\frac{1}{2}}{P_1^\frac{1}{2}}\right)$
$ =\color{blue}{20 ~{\rm dB} \cdot \frac{1}{2}} \cdot \log_{10}\left(\frac{P_2}{P_1}\right) =\color{blue}{10 ~{\rm dB}} \cdot \log_{10}\left(\frac{P_2}{P_1}\right) $
Die Tabelle oben zeigt verschiedene in der Technik gebräuchliche Pegelangaben. Im Folgenden wird hauptsächlich das Spannungsverhältnis betrachtet und der zugehörige Pegel vereinfacht mit der Einheit $\rm dB$ angegeben.
| linearer Faktor | Pegel [$\rm dB$] |
|---|---|
| $\times 0.01$ | $-40 ~{\rm dB}$ |
| $\times 0.1$ | $-20 ~{\rm dB}$ |
| $\times 1$ | $ 0 ~{\rm dB}$ |
| $\times 2$ | $\approx +6~{\rm dB}$ |
| $\times 10$ | $+20 ~{\rm dB}$ |
| $\times 100$ | $+40 ~{\rm dB}$ |
Mit der oben angegebenen Gleichung können lineare Faktoren bzw. Verhältnisse $A = \boxed{}_2 / \boxed{}_1$ in einen Pegel $A^{\rm dB}$ in $\rm dB$ umgerechnet werden.
Gelegentlich wird der hochgestellte Index $\boxed{}^{\rm dB}$ weggelassen. Stattdessen erkennt man den Pegel an der Einheit $\rm dB$.
Beispiele:
$ A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{1}) = 20 {\rm dB} \cdot \underbrace{\log_{10}\left(\color{green}{1}\right)}_\color{blue}{x} \qquad \qquad \rightarrow \boldsymbol{A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{1})} \quad = 20 {\rm dB} \cdot 0 \quad \ \boldsymbol{= 0 {\rm dB}}$
Dabei besitzt $\color{blue}{x}$ den Wert, für den $10^\color{blue}{x} = \color{green}{1}$ gilt, also $\color{blue}{x}=0$.
$ A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{0.01}) = 20 ~{\rm dB} \cdot \underbrace{\log_{10}\left(\color{green}{0.01}\right)}_\color{blue}{x} \qquad \rightarrow \boldsymbol{A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{0.01})} = 20 ~{\rm dB} \cdot (-2) \boldsymbol{= -40 ~{\rm dB}}$
Dabei besitzt $\color{blue}{x}$ den Wert, für den $10^\color{blue}{x} = \color{green}{0.01}$ gilt, also $\color{blue}{x}=-2$.
$ A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{2}) = 20 ~{\rm dB} \cdot \underbrace{\log_{10}\left(\color{green}{2}\right)}_\color{blue}{x} \qquad \qquad \rightarrow \boldsymbol{A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{2})} \quad\approx 20 ~{\rm dB} \cdot 0.30103 \boldsymbol{\approx 6 ~{\rm dB}}$
Hier besitzt $\color{blue}{x}$ den Wert, für den $10^\color{blue}{x} = \color{green}{2}$ gilt. Damit ist $\color{blue}{x}\approx 0.30103$.
Dezibel besitzt einige Vorteile, die insbesondere bei den später betrachteten frequenzabhängigen Schaltungen hilfreich sind:
$A_{\rm V}^{\rm dB}(A_1 \cdot A_2) = 20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(A_1 \cdot A_2) = 20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(A_1) + 20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(A_2) = A_{\rm V}^{\rm dB}(A_1) + A_{\rm V}^{\rm dB}(A_2)$
Gerade der letzte Punkt ist für elektronische Systeme interessant.
Werden mehrere Verstärker oder Übertragungsstufen hintereinander geschaltet, ergibt sich die Gesamtverstärkung aus dem Produkt der Einzelverstärkungen:
$A_{\rm V, eq}=\prod A_{i} = A_1 \cdot A_2 \cdot A_3$.
In der dB-Darstellung wird daraus dagegen eine Summe:
$A_{\rm V,eq}^{\rm dB}=\sum A_i^{\rm dB} = A_1^{\rm dB} + A_2^{\rm dB} + A_3^{\rm dB}$.
Im dargestellten Beispiel ergibt sich:
$A_{\rm V,eq}^{\rm dB} = \sum A^{\rm dB} = 88~{\rm dB} + (-58~{\rm dB}) + 14~{\rm dB} = 44~{\rm dB}$.
Merke: dB-Darstellung
Für Strom- und Spannungsverhältnisse gilt:
Für hintereinandergeschaltete Systeme gilt:
Mit den beiden leicht merkbaren Stützstellen
$\color{green}{\times 10} \rightarrow + 20~{\rm dB}$
und
$\color{green}{\times 2} \rightarrow + 6~{\rm dB}$
lassen sich viele lineare Werte auch ohne Taschenrechner näherungsweise aus einem Pegel in $\rm dB$ bestimmen.
Beispiele:
$A_{\rm V}^{\rm dB}=58~{\rm dB}$
mit den Stützstellen:
$A_{\rm V}^{dB}=58~{\rm dB} = 40~{\rm dB} + 18~{\rm dB} = \color{blue}{2}\cdot 20~{\rm dB} + \color{magenta}{3}\cdot 6~{\rm dB}$
Linear ergibt sich daraus: $ \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \quad \ A_{\rm V} = 10^\color{blue}{2} \qquad \cdot \qquad 2^\color{magenta}{3} \qquad = 100 \cdot 8 = 800$
$A_{\rm V}^{\rm dB}=56~{\rm dB}$
mit den Stützstellen:
$A_{\rm V}^{dB}=56~{\rm dB} = 80~{\rm dB} - 24~{\rm dB} = \color{blue}{4}\cdot 20~{\rm dB} + \color{magenta}{-4}\cdot 6~{\rm dB}$
Linear ergibt sich daraus: $ \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \quad \ A_{\rm V} = 10^\color{blue}{4} \qquad \cdot \qquad 2^\color{magenta}{-4} \qquad = 10000 \cdot \frac{1}{16} = 625$
oder alternativ $qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad A_{\rm V}^{\rm dB} = 20~{\rm dB} + 36~{\rm dB} \rightarrow A_{\rm V}= 10^\color{blue}{1} \cdot 2^\color{magenta}{6} = 10 \cdot 64 = 640$
$A_{\rm V}^{\rm dB}=56~{\rm dB}$
mit den Stützstellen:
$A_{\rm V}^{dB}=56~{\rm dB} = 40~{\rm dB} + 18~{\rm dB} - 3~{\rm dB} = \color{blue}{2}\cdot 20~{\rm dB} + \color{magenta}{3}\cdot 6~{\rm dB} + \color{teal}{-\frac{1}{2}}\cdot 6~{\rm dB}$
Linear ergibt sich daraus: $ \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \ A_{\rm V} = 10^\color{blue}{2} \qquad \cdot \qquad 2^\color{magenta}{3} \qquad \cdot \qquad 2^\color{teal}{-\frac{1}{2}} \approx 100 \cdot 8 \cdot 0.707 = 560$
Der Wert $-3~{\rm dB}$ wird im Folgenden noch eine besondere Bedeutung erhalten.
Das Bode-Diagramm soll das Übertragungsverhalten eines Systems übersichtlich darstellen.
Eine komplexe Zahl kann immer durch zwei reelle Größen beschrieben werden. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:
Die zweite Darstellung ist für die Betrachtung frequenzabhängiger Spannungsverhältnisse besonders geeignet. Sie trennt die Änderung der Amplitude von der zeitlichen Verschiebung bzw. Phase.
Um die Frequenzabhängigkeit des Spannungsübertragungsverhältnisses besser zu verstehen, kann dessen Betrag als Funktion der Frequenz $f$ dargestellt werden: $|A_{\rm V}(f)|$.
Sinnvoll ist es, das Spannungsverhältnis als Pegel $|A_{\rm V}^{\rm dB}(f)|$ darzustellen.
Die Simulation zeigt den Verlauf von $|A_{\rm V}^{\rm dB}(f)|$ für einen Tiefpass im unteren Bereich der Darstellung. Der Verlauf beginnt links bei ungefähr $0~{\rm dB}$ und fällt für höhere Frequenzen deutlich ab.
Wird der Mauszeiger über das Diagramm bewegt, kann für jede Frequenz der jeweilige Wert der Verstärkung in $\rm dB$ angezeigt werden.
Beim Anklicken eines Punktes im Frequenzgang zeigt die Simulation außerdem die zu dieser Frequenz gehörenden Strom- und Spannungsverhältnisse in der Schaltung.
Bei einer linearen Frequenzachse ist es allerdings schwierig, charakteristische Punkte wie beispielsweise die Grenzfrequenz aus dem Frequenzgang abzulesen.
Wird auch die Frequenzachse logarithmisch dargestellt, ergibt sich ein deutlich übersichtlicheres Bild. In Falstad kann dies über Options » Linear Scale umgeschaltet werden.
Nun werden
sehr deutlich sichtbar.
Die Phase kann über Options » Show Phase eingeblendet werden.
Das Bode-Diagramm ermöglicht die Darstellung einer komplexwertigen, frequenzabhängigen Größe in logarithmischer Form.
Der Frequenzgang wird dabei in zwei Darstellungen aufgeteilt:
Eine Änderung der Frequenz um den Faktor $\times 10$ wird als Dekade bezeichnet.
Der Amplitudengang verschiedener grundlegender Funktionen kann damit einfach beschrieben werden. Dabei bezeichnet $\mathcal{C}$ einen beliebigen frequenzunabhängigen Faktor:
Als Alternative zum exakten Verlauf werden $|A_{\rm V}(f)|$ und $\varphi(f)$ gelegentlich näherungsweise durch Geradenstücke dargestellt.
Merke: Bode-Diagramm
Das Bode-Diagramm bzw. der Frequenzgang besteht aus:
Dadurch ergeben sich im Amplitudengang für Funktionen der Form $A(\omega) \sim \omega^n$ Geraden.
Insbesondere gilt:
Verwenden Sie die Simulation oben und untersuchen Sie den Frequenzgang zunächst ohne Rechnung.
Die Rechnung zur Grenzfrequenz und die genaue Analyse des RC-Tiefpasses folgen später. In diesem Block steht zunächst das Lesen und Interpretieren des Bode-Diagramms im Vordergrund.
Warum benötigen wir dieses Werkzeug für die Motortreiberschaltung?
Das PWM-Signal der Leit-Schaltung besitzt eine Grundfrequenz von ungefähr $30~\mathrm{kHz}$. Schnelle Schaltvorgänge erzeugen darüber hinaus weitere hochfrequente Signalanteile.
Auch das gemessene Shunt-Signal kann daher neben dem gewünschten Stromverlauf schnelle Störungen und Schaltanteile enthalten.
Wenn später ein Filter für dieses Signal ausgewählt wird, reicht die Aussage
„Das Signal soll geglättet werden.“
nicht aus.
Stattdessen müssen Fragen beantwortet werden wie:
Das Bode-Diagramm ist das Werkzeug, mit dem diese Fragen quantitativ beschrieben werden können.
In diesem Block wurde also noch kein Filter dimensioniert. Zunächst wurde die Sprache eingeführt, mit der sein Verhalten beschrieben werden kann.
Ein sinusförmiges Signal besitzt die Frequenz $f=20~\mathrm{kHz}$.
1. Bestimmen Sie die Periodendauer $T$.
Mit $T=1/f$ ergibt sich
$T={1\over20~\mathrm{kHz}}=50~\mathrm{\mu s}$.
2. Das Ausgangssignal ist gegenüber dem Eingang um $\Delta t=5~\mathrm{\mu s}$ verzögert. Welchem Phasenwinkel entspricht diese Zeitverschiebung?
Eine vollständige Periodendauer von $50~\mathrm{\mu s}$ entspricht $360^\circ$.
Damit ergibt sich
$|\varphi|=360^\circ\cdot{5~\mathrm{\mu s}\over50~\mathrm{\mu s}} =36^\circ$.
Da das Ausgangssignal verzögert ist, wird die Phase üblicherweise als negativ angegeben:
$\varphi\approx-36^\circ$.
3. Wie groß wäre die Phasenverschiebung bei derselben Zeitverzögerung von $5~\mathrm{\mu s}$, wenn die Frequenz auf $40~\mathrm{kHz}$ erhöht wird?
Bei $40~\mathrm{kHz}$ beträgt die Periodendauer
$T={1\over40~\mathrm{kHz}}=25~\mathrm{\mu s}$.
Damit ergibt sich
$|\varphi|=360^\circ\cdot{5\over25}=72^\circ$.
Das Ausgangssignal ist verzögert, daher gilt ungefähr
$\varphi=-72^\circ$.
Die gleiche Zeitverzögerung führt bei höherer Frequenz also zu einer größeren Phasenverschiebung.
Bestimmen Sie die folgenden Pegel möglichst zunächst ohne Taschenrechner.
1. Welchem dB-Wert entspricht ein Spannungsverhältnis von $A_{\rm V}=10$?
Für Spannungsverhältnisse gilt
$A_{\rm V,dB}=20\log_{10}(A_{\rm V})$.
Für $A_{\rm V}=10$ ergibt sich direkt:
$A_{\rm V,dB}=20~\mathrm{dB}$.
2. Welchem dB-Wert entspricht $A_{\rm V}=0.1$?
$0.1=10^{-1}$.
Daher gilt:
$A_{\rm V,dB}=20\cdot(-1)=-20~\mathrm{dB}$.
3. Welchem dB-Wert entspricht näherungsweise $A_{\rm V}=2$?
Ein Faktor $2$ entspricht näherungsweise
$+6~\mathrm{dB}$.
Genauer gilt:
$20\log_{10}(2)\approx6.02~\mathrm{dB}$.
4. Welcher lineare Spannungsfaktor gehört zu $-40~\mathrm{dB}$?
$-40~\mathrm{dB}=2\cdot(-20~\mathrm{dB})$.
Jede Änderung um $-20~\mathrm{dB}$ entspricht einem Faktor $0.1$.
Damit gilt:
$A_{\rm V}=0.1^2=0.01$.
5. Eine Schaltung dämpft ein Signal um $6~\mathrm{dB}$. Um welchen Faktor wird die Spannung ungefähr reduziert?
$+6~\mathrm{dB}$ entsprechen ungefähr einem Faktor $2$.
Eine Dämpfung von $-6~\mathrm{dB}$ entspricht daher dem Kehrwert:
$A_{\rm V}\approx{1\over2}=0.5$.
Die Ausgangsspannung ist also ungefähr halb so groß wie die Eingangsspannung.
Drei Schaltungsstufen besitzen die Spannungsübertragungen
1. Bestimmen Sie das gesamte lineare Spannungsübertragungsverhältnis.
Bei hintereinandergeschalteten Stufen werden die linearen Faktoren multipliziert:
$A_{\rm ges}=10\cdot0.1\cdot2=2$.
2. Wandeln Sie die drei einzelnen Faktoren näherungsweise in dB um.
Es gilt:
$A_1=10\widehat{=}20~\mathrm{dB}$
$A_2=0.1\widehat{=}-20~\mathrm{dB}$
$A_3=2\widehat{\approx}6~\mathrm{dB}$.
3. Bestimmen Sie daraus den Gesamtwert in dB.
In der dB-Darstellung werden die einzelnen Werte addiert:
$A_{\rm ges,dB}=20~\mathrm{dB}-20~\mathrm{dB}+6~\mathrm{dB} =6~\mathrm{dB}$.
Dies entspricht wie erwartet ungefähr einem linearen Faktor $2$.
Ein System besitzt bei $1~\mathrm{kHz}$ eine Verstärkung von $0~\mathrm{dB}$. Oberhalb dieser Frequenz fällt der Amplitudengang mit $-20~\mathrm{dB/dec}$.
1. Welcher Pegel ist näherungsweise bei $10~\mathrm{kHz}$ zu erwarten?
Von $1~\mathrm{kHz}$ nach $10~\mathrm{kHz}$ liegt genau eine Dekade.
Bei einer Steigung von $-20~\mathrm{dB/dec}$ sinkt der Pegel daher von $0~\mathrm{dB}$ auf
$-20~\mathrm{dB}$.
2. Welcher Pegel ist bei $100~\mathrm{kHz}$ zu erwarten?
Von $1~\mathrm{kHz}$ nach $100~\mathrm{kHz}$ liegen zwei Dekaden.
Daher beträgt die Änderung
$2\cdot(-20~\mathrm{dB})=-40~\mathrm{dB}$.
Der erwartete Pegel beträgt also $-40~\mathrm{dB}$.
3. Welche linearen Spannungsverhältnisse entsprechen $-20~\mathrm{dB}$ und $-40~\mathrm{dB}$?
$-20~\mathrm{dB}$ entsprechen einem Faktor von $0.1$.
$-40~\mathrm{dB}$ entsprechen einem Faktor von $0.01$.
Das Ausgangssignal besitzt damit bei $10~\mathrm{kHz}$ noch ungefähr ein Zehntel und bei $100~\mathrm{kHz}$ noch ungefähr ein Hundertstel der Eingangsamplitude.
Verwenden Sie die Falstad-Simulation des RC-Glieds aus Abschnitt 2.1.4.
1. Bestimmen Sie mit dem Cursor näherungsweise die Frequenz, bei der der Amplitudengang $-3~\mathrm{dB}$ erreicht.
Für die verwendeten Werte $R=16~\mathrm{k\Omega}$ und $C=1~\mathrm{nF}$ liegt die Grenzfrequenz näherungsweise bei
$f_c={1\over2\pi RC} \approx9.95~\mathrm{kHz}$.
In der Simulation sollte daher ein Wert von ungefähr $10~\mathrm{kHz}$ gefunden werden.
2. Lesen Sie die Phase bei dieser Frequenz ab.
Bei der Grenzfrequenz eines idealen RC-Tiefpasses erster Ordnung beträgt die Phase ungefähr
$\varphi=-45^\circ$.
Die Simulation sollte einen Wert in dieser Größenordnung zeigen.
3. Bestimmen Sie den Amplitudengang ungefähr bei $100~\mathrm{kHz}$.
$100~\mathrm{kHz}$ liegt ungefähr eine Dekade oberhalb der Grenzfrequenz von $10~\mathrm{kHz}$.
Oberhalb der Grenzfrequenz nähert sich die Steigung $-20~\mathrm{dB/dec}$ an.
Daher ist ein Wert in der Größenordnung von $-20~\mathrm{dB}$ zu erwarten.
Der exakte Wert liegt geringfügig davon abweichend, weil die asymptotische Gerade nur eine Näherung ist.
4. Ändern Sie den Widerstand von $16~\mathrm{k\Omega}$ auf $32~\mathrm{k\Omega}$. Beobachten Sie, wie sich der charakteristische Übergang im Bode-Diagramm verschiebt.
Mit größerem Widerstand wird die Grenzfrequenz kleiner.
Da $f_c=1/(2\pi RC)$ gilt, führt eine Verdopplung von $R$ zu einer Halbierung von $f_c$.
Die Grenzfrequenz verschiebt sich daher von ungefähr $10~\mathrm{kHz}$ auf ungefähr $5~\mathrm{kHz}$.
Die grundsätzliche Form des Frequenzgangs und die Steigung von ungefähr $-20~\mathrm{dB/dec}$ bei hohen Frequenzen bleiben erhalten.
In der Leit-Schaltung arbeitet die PWM mit $f_{\rm PWM}=30~\mathrm{kHz}$.
Angenommen, ein später eingesetztes Filter besitzt bei $30~\mathrm{kHz}$ eine Dämpfung von $-12~\mathrm{dB}$.
1. Schätzen Sie den zugehörigen linearen Spannungsfaktor ab.
$-12~\mathrm{dB}$ können als zweimal $-6~\mathrm{dB}$ betrachtet werden.
Jede Änderung um $-6~\mathrm{dB}$ entspricht ungefähr einer Halbierung der Spannung.
Damit gilt näherungsweise:
$A_{\rm V}\approx0.5\cdot0.5=0.25$.
2. Eine Störspannung bei $30~\mathrm{kHz}$ besitzt vor dem Filter eine Amplitude von $80~\mathrm{mV}$. Welche Amplitude ist nach dem Filter ungefähr zu erwarten?
Mit $A_{\rm V}\approx0.25$ ergibt sich:
$\hat U_{\rm O}\approx0.25\cdot80~\mathrm{mV} =20~\mathrm{mV}$.
3. Warum reicht diese Information noch nicht aus, um zu entscheiden, ob das Filter für die Strommessung gut geeignet ist?
Die Dämpfung bei der PWM-Frequenz beschreibt nur einen einzelnen Punkt des Frequenzgangs.
Zusätzlich muss bekannt sein,
Ein Filter muss daher immer über einen relevanten Frequenzbereich betrachtet werden.
Bisher wurde ein Kondensator im Frequenzbereich mit der idealen Impedanz
$Z_C={1\over{\rm j}\omega C}$
beschrieben.
Diese Gleichung sagt voraus, dass der Betrag der Impedanz mit steigender Frequenz immer weiter abnimmt.
Ein realer Kondensator verhält sich jedoch nur in einem begrenzten Frequenzbereich so.
Im nächsten Block wird deshalb der reale Kondensator betrachtet: Bauformen, ESR, ESL, Resonanzfrequenz, Spannungsabhängigkeit und die Frage, warum ein Kondensator bei hohen Frequenzen schließlich sogar induktives Verhalten zeigen kann.