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elektronische_schaltungstechnik:block02 [2026/09/27 23:16] – mexleadminelektronische_schaltungstechnik:block02 [2026/09/27 23:38] (current) – mexleadmin
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 Als Testsignal eignet sich besonders eine sinusförmige Spannung Als Testsignal eignet sich besonders eine sinusförmige Spannung
  
-$u_{\rm I}(t)=\hat U_{\rm I}\sin(\omega t)$.+$$u_{\rm I}(t)=\hat U_{\rm I}\sin(\omega t)$$
  
-Nach dem Einschwingen entsteht in einer linearen Schaltung am Ausgang wieder ein sinusförmiges Signal mit derselben Frequenz. Seine Amplitude und seine zeitliche Lage können sich jedoch ändern:+Nach dem Einschwingen entsteht in einer linearen Schaltung am Ausgang wieder ein sinusförmiges Signal mit derselben Frequenz. \\ 
 +Seine Amplitude und seine zeitliche Lage können sich jedoch ändern:
  
-$u_{\rm O}(t)=\hat U_{\rm O}\sin(\omega t+\varphi)$.+$$u_{\rm O}(t)=\hat U_{\rm O}\sin(\omega t+\varphi)$$
  
 Damit reichen zwei Größen aus, um die Wirkung der Schaltung bei einer bestimmten Frequenz zu beschreiben: Damit reichen zwei Größen aus, um die Wirkung der Schaltung bei einer bestimmten Frequenz zu beschreiben:
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 </WRAP> </WRAP>
  
-=== Frequenz, Periodendauer und Kreisfrequenz ===+=== Refresh: Frequenz, Periodendauer, Phase ===
  
-Für ein periodisches Signal gilt $f=1/T$. +Für ein periodisches Signal gilt $f=1/T$. Die **Kreisfrequenz** lautet $\omega=2\pi f$.
- +
-Die Kreisfrequenz lautet $\omega=2\pi f$.+
  
 Damit entspricht beispielsweise eine Frequenz von $f=1~\mathrm{kHz}$ einer Periodendauer von $T=1~\mathrm{ms}$ und einer Kreisfrequenz von ungefähr $\omega=6283~\mathrm{rad/s}$. Damit entspricht beispielsweise eine Frequenz von $f=1~\mathrm{kHz}$ einer Periodendauer von $T=1~\mathrm{ms}$ und einer Kreisfrequenz von ungefähr $\omega=6283~\mathrm{rad/s}$.
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 In Datenblättern, Simulationen und Bode-Diagrammen wird meist die Frequenz $f$ in $\mathrm{Hz}$ verwendet. In Gleichungen ist dagegen häufig $\omega$ zu finden. In Datenblättern, Simulationen und Bode-Diagrammen wird meist die Frequenz $f$ in $\mathrm{Hz}$ verwendet. In Gleichungen ist dagegen häufig $\omega$ zu finden.
  
-=== Phase als Zeitverschiebung === +Die Phase kann auch aus einer **Zeitverschiebung** zwischen zwei sinusförmigen Signalen bestimmt werden.\\
- +
-Die Phase kann auch aus einer Zeitverschiebung zwischen zwei sinusförmigen Signalen bestimmt werden. +
 Eine vollständige Periodendauer $T$ entspricht $360^\circ$. Für eine Zeitverschiebung $\Delta t$ gilt daher Eine vollständige Periodendauer $T$ entspricht $360^\circ$. Für eine Zeitverschiebung $\Delta t$ gilt daher
  
-$\varphi=360^\circ\cdot{\Delta t\over T}$.+$$\varphi=360^\circ\cdot{\Delta t\over T}$$
  
 Je nach Richtung der Verschiebung wird die Phase positiv oder negativ angegeben. Je nach Richtung der Verschiebung wird die Phase positiv oder negativ angegeben.
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 Das Spannungsübertragungsverhältnis einer Schaltung wird mit Das Spannungsübertragungsverhältnis einer Schaltung wird mit
  
-$A_{\rm V}={U_{\rm O}\over U_{\rm I}}$+$$A_{\rm V}={U_{\rm O}\over U_{\rm I}}$$
  
 beschrieben. beschrieben.
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 Für eine frequenzabhängige Schaltung ist $A_{\rm V}$ jedoch keine einzelne Zahl mehr: Für eine frequenzabhängige Schaltung ist $A_{\rm V}$ jedoch keine einzelne Zahl mehr:
  
-$A_{\rm V}=A_{\rm V}(f)$.+$$A_{\rm V}=A_{\rm V}(f)$$
  
 Zusätzlich kann zwischen Ein- und Ausgang eine Phasenverschiebung entstehen. Vollständig wird die Übertragung deshalb durch eine komplexe Größe beschrieben: Zusätzlich kann zwischen Ein- und Ausgang eine Phasenverschiebung entstehen. Vollständig wird die Übertragung deshalb durch eine komplexe Größe beschrieben:
  
-$\underline A_{\rm V}(f)={\underline U_{\rm O}(f)\over\underline U_{\rm I}(f)}$.+$$\underline A_{\rm V}(f)={\underline U_{\rm O}(f)\over\underline U_{\rm I}(f)}$$
  
 Für die praktische Betrachtung wird diese komplexe Größe in Betrag und Phase zerlegt: Für die praktische Betrachtung wird diese komplexe Größe in Betrag und Phase zerlegt:
Line 165: Line 161:
 ==== 2.1.3 Die dB-Skala ==== ==== 2.1.3 Die dB-Skala ====
  
-Um frequenzabhängige Schaltungen zu untersuchen, müssen häufig sehr große oder sehr kleine Zahlenverhältnisse dargestellt werden. Ein typisches Beispiel ist das Spannungsübertragungsverhältnis+Die Dezibel-Skala ist eine Hilfsdarstellung, welche die Arbeit mit Verhältnissen vereinfacht, beispielsweise mit dem Verhältnis $U_2/U_1$.
  
-$A_{\rm V}={{U_{\rm O}}\over{U_{\rm I}}}$.+Solche Verhältnisse werden in der Technik auch als **Pegel** bezeichnet. Durch die Angabe eines Pegels kann eine Größe auf eine Referenzgröße bezogen werden.
  
-Solche Verhältnisse werden in der Technik häufig auch als **Pegel** angegeben. Eine besonders praktische logarithmische Darstellung ist die Einheit **Dezibel (dB)**.+In elektronischen Schaltungen wird Dezibel häufig für Strom- oder Spannungsverhältnisse verwendet. Für diesen Kurs wird dies insbesondere für die Spannungsverstärkung
  
-Für Spannungs- und Stromverhältnisse gilt:+$$A_{\rm V} = \frac{U_\rm O}{U_\rm I}$$
  
-$A_{\rm V}^{\rm dB}=20~\mathrm{dB}\cdot\log_{10}\left({U_{\rm O}\over U_{\rm I}}\right) +und allgemein für Übertragungsfaktoren wichtig.
-=20~\mathrm{dB}\cdot\log_{10}(A_{\rm V})$+
  
-bzw.+Die Umrechnung eines Spannungs- bzw. Stromverhältnisses in einen Pegel in $\rm dB$ ist definiert durch:
  
-$A_{\rm I}^{\rm dB}=20~\mathrm{dB}\cdot\log_{10}\left({I_2\over I_1}\right)$.+$\boxed{A_{\rm V}^{\rm dB}=20 ~{\rm dB} \cdot \log_{10}\left(\frac{U_2}{U_1}\right)=20 ~{\rm dB} \cdot \log_{10} A_\rm V}$(nbsp)(nbsp)(nbsp)(nbsp)  bzw. (nbsp)(nbsp)(nbsp)(nbsp) $A_{\rm C}^{\rm dB}=20 ~{\rm dB} \cdot \log_{10}\left(\frac{I_2}{I_1}\right)$
  
-<WRAP center round info 80%> 
-Eine Angabe in $\mathrm{dB}$ beschreibt zunächst **ein Verhältnis**. 
  
-$0~\mathrm{dB}$ bedeutet dabei nicht „kein Signal“, sondern ein Verhältnis von $1$. +=== Technische Pegelangaben in dB ===
-</WRAP>+
  
-=== Technische Pegel in dB ===+^ Bezeichnung                    ^ Symbol      ^ Formel                                      ^ Bezugswert für 0 dB       ^ 
 +| Spannungspegel                 | $\rm dBV$   | $20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(V/V_{\rm ref})$  | $\rm 0~dBV  \widehat{=} 1~V$        | 
 +| Leistungspegel                 | $\rm dBm$   | $10~{\rm dB} \cdot \log_{10}(P/P_{\rm ref})$  | $\rm 0~dBm  \widehat{=} 1~mW$       | 
 +| Leistungspegel                 | $\rm dBW$   | $10~{\rm dB} \cdot \log_{10}(P/P_{\rm ref})$  | $\rm 0~dBW  \widehat{=} 1~W$        | 
 +| Full-Scale-Pegel               | $\rm dBFS$  | $20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(V/V_{\rm max})$  | $\rm 0~dBFS  \widehat{=} V_{max}$  | 
 +| Schalldruckpegel               | $\rm dBA$   | $20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(p/p_{\rm ref})$  | $\rm 0~dBA  \widehat{=} 20~µPa$    |
  
-Neben reinen Verhältnissen existieren auch Pegelangaben mit einem fest definierten Bezugswert.+Beachten Sie, dass sich die Gleichung für **Leistungsgrößen**, also beispielsweise Verhältnisse von $P$, etwas verändert.
  
-^ Bezeichnung ^ Symbol ^ Definition ^ Bezugswert für $0~\mathrm{dB}$ ^ +Da $P \sim U^2$ bzw. $U \sim P^\frac{1}{2}$ gilt, ergibt sich:
-| Spannungspegel | $\mathrm{dBV}$ | $20\log_{10}(U/U_{\rm ref})$ | $1~\mathrm{V}$ | +
-| Leistungspegel | $\mathrm{dBm}$ | $10\log_{10}(P/P_{\rm ref})$ | $1~\mathrm{mW}$ | +
-| Leistungspegel | $\mathrm{dBW}$ | $10\log_{10}(P/P_{\rm ref})$ | $1~\mathrm{W}$ |+
  
-Im Folgenden betrachten wir hauptsächlich Spannungsverhältnisse. Deshalb wird meist einfach die Einheit $\mathrm{dB}$ verwendet.+$A_P^{\rm dB}=             20 ~{\rm dB} \cdot                    \log_{10}\left(\frac{P_2^\frac{1}{2}}{P_1^\frac{1}{2}}\right)$\\  
 +(nbsp)(nbsp)(nbsp)(nbsp)(nbsp)(nbsp) 
 +$            =\color{blue}{20 ~{\rm dB} \cdot \frac{1}{2}} \cdot \log_{10}\left(\frac{P_2}{P_1}\right)  =\color{blue}{10 ~{\rm dB}} \cdot \log_{10}\left(\frac{P_2}{P_1}\right) $
  
-=== Warum gilt bei Leistungen der Faktor 10? ===+Die Tabelle oben zeigt verschiedene in der Technik gebräuchliche Pegelangaben. Im Folgenden wird hauptsächlich das Spannungsverhältnis betrachtet und der zugehörige Pegel vereinfacht mit der Einheit $\rm dB$ angegeben.
  
-Für Leistungsverhältnisse lautet die Definition 
  
-$A_{\rm P}^{\rm dB}=10~\mathrm{dB}\cdot\log_{10}\left({P_2\over P_1}\right)$.+=== Einfache Beispiele für Spannungsverhältnisse in dB ===
  
-Der Unterschied zum Faktor $20$ bei Spannungen lässt sich über $P\sim U^2$ erklären.+^ linearer Faktor  ^ Pegel [$\rm dB$]  ^ 
 +|$\times 0.01$   |$-40 ~{\rm dB}$    | 
 +|$\times 0.1$    |$-20 ~{\rm dB}$    | 
 +|$\times 1$      |$  0 ~{\rm dB}$    | 
 +|$\times 2$      |$\approx +6~{\rm dB}$| 
 +|$\times 10$     |$+20 ~{\rm dB}$    | 
 +|$\times 100$    |$+40 ~{\rm dB}$    |
  
-Setzt man $U\sim\sqrt P$ in die Definition für Spannungsverhältnisse ein, ergibt sich:+Mit der oben angegebenen Gleichung können lineare Faktoren bzw. Verhältnisse $A = \boxed{}_2 / \boxed{}_1$ in einen Pegel $A^{\rm dB}$ in $\rm dB$ umgerechnet werden.
  
-$20\log_{10}\left(\sqrt{{P_2\over P_1}}\right) +Gelegentlich wird der hochgestellte Index $\boxed{}^{\rm dB}$ weggelassen. Stattdessen erkennt man den Pegel an der Einheit $\rm dB$.
-=20\cdot{1\over2}\log_{10}\left({P_2\over P_1}\right)$+
  
-und damit+Beispiele:
  
-$A_{\rm P}^{\rm dB}=10\log_{10}\left({P_2\over P_1}\right)$.+  - Für $A_{\rm V}= \color{green}{1} $ ergibt sich <WRAP>  
 +$ A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{1}) = 20 {\rm dB} \cdot \underbrace{\log_{10}\left(\color{green}{1}\right)}_\color{blue}{x} \qquad \qquad \rightarrow \boldsymbol{A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{1})} \quad = 20 {\rm dB} \cdot 0 \quad \ \boldsymbol{= 0 {\rm dB}}$ \\  
 +Dabei besitzt $\color{blue}{x}$ den Wert, für den $10^\color{blue}{x} = \color{green}{1}$ gilt, also $\color{blue}{x}=0$. </WRAP> \\  \\
  
-=== Einfache Beispiele für Spannungsverhältnisse in dB ===+  - Für $A_{\rm V}= \color{green}{0.01} $ ergibt sich <WRAP>  
 +$ A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{0.01}) = 20 ~{\rm dB} \cdot \underbrace{\log_{10}\left(\color{green}{0.01}\right)}_\color{blue}{x} \qquad \rightarrow \boldsymbol{A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{0.01})} = 20 ~{\rm dB} \cdot (-2) \boldsymbol{= -40 ~{\rm dB}}$ \\  
 +Dabei besitzt $\color{blue}{x}$ den Wert, für den $10^\color{blue}{x} = \color{green}{0.01}$ gilt, also $\color{blue}{x}=-2$. </WRAP>   \\  \\
  
-Einige Werte treten in der Elektronik so häufig auf, dass sie ohne Taschenrechner erkannt werden sollten:+  - Für $A_{\rm V}= \color{green}{2} $ ergibt sich <WRAP>  
 +$ A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{2}) = 20 ~{\rm dB} \cdot \underbrace{\log_{10}\left(\color{green}{2}\right)}_\color{blue}{x} \qquad \qquad \rightarrow \boldsymbol{A_{\rm V}^{\rm dB}(\color{green}{2})} \quad\approx 20 ~{\rm dB} \cdot 0.30103 \boldsymbol{\approx 6 ~{\rm dB}}$ \\  
 +Hier besitzt $\color{blue}{x}$ den Wert, für den $10^\color{blue}{x} = \color{green}{2}$ gilt. Damit ist $\color{blue}{x}\approx 0.30103$. </WRAP> \\  \\
  
-^ linearer Faktor ^ Pegel ^ 
-| $\times0.01$ | $-40~\mathrm{dB}$ | 
-| $\times0.1$ | $-20~\mathrm{dB}$ | 
-| $\times1$ | $0~\mathrm{dB}$ | 
-| $\times2$ | ungefähr $+6~\mathrm{dB}$ | 
-| $\times10$ | $+20~\mathrm{dB}$ | 
-| $\times100$ | $+40~\mathrm{dB}$ | 
  
-Betrachten wir einige Beispiele genauer.+=== Nutzen der dB-Darstellung ===
  
-Für $A_{\rm V}=1$ gilt:+Dezibel besitzt einige Vorteile, die insbesondere bei den später betrachteten frequenzabhängigen Schaltungen hilfreich sind:
  
-$A_{\rm V}^{\rm dB}=20\log_{10}(1)=0~\mathrm{dB}$.+  * **Handlichere Zahlenwerte:** Werden sehr große oder sehr kleine lineare Werte benötigt, entstehen in der dB-Darstellung meist deutlich kompaktere Zahlen. Beispiel: $A_{\rm V} = 10000000 \rightarrow A_{\rm V}^{\rm dB}= 140~{\rm dB}$. Das reduziert insbesondere das fehleranfällige „Nullenzählen“.
  
-Für $A_{\rm V}=0.01$ gilt:+  * **Logarithmische Wahrnehmung:** Viele menschliche Sinneswahrnehmungen, beispielsweise Lautstärke oder Helligkeit, reagieren näherungsweise logarithmisch auf physikalische Größen.
  
-$A_{\rm V}^{\rm dB}=20\log_{10}(0.01) +  * **Einfachere Rechnung:** Durch den Logarithmus wird eine Multiplikation linearer Faktoren zu einer Addition der Pegel:
-=20\cdot(-2) +
-=-40~\mathrm{dB}$.+
  
-Für $A_{\rm V}=2$ gilt näherungsweise:+$A_{\rm V}^{\rm dB}(A_1 \cdot A_2) = 20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(A_1 \cdot A_2) = 20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(A_1) + 20~{\rm dB} \cdot \log_{10}(A_2) = A_{\rm V}^{\rm dB}(A_1) + A_{\rm V}^{\rm dB}(A_2)$
  
-$A_{\rm V}^{\rm dB}=20\log_{10}(2)\approx6~\mathrm{dB}$. 
  
-<WRAP center round important 80%> +<WRAP> 
-Für Spannungsverhältnisse sollte man sich insbesondere merken: +<imgcaption BildNr20 | Beispiel: hintereinandergeschaltete Übertragungsstufen> 
- +</imgcaption> 
-  * Faktor $10$ $\rightarrow +20~\mathrm{dB}$ +{{drawio>Beispiel_Filter_in_Reihe.svg}}
-  * Faktor $2$ $\rightarrow \approx+6~\mathrm{dB}$ +
-  * Faktor $1$ $\rightarrow 0~\mathrm{dB}$ +
- +
-Für Abschwächungen gelten die entsprechenden negativen Werte.+
 </WRAP> </WRAP>
  
-=== Warum verwendet man dB? ===+Gerade der letzte Punkt ist für elektronische Systeme interessant.
  
-Die logarithmische Darstellung bietet mehrere praktische Vorteile.+Werden mehrere Verstärker oder Übertragungsstufen hintereinander geschaltet, ergibt sich die Gesamtverstärkung aus dem Produkt der Einzelverstärkungen:
  
-**1. Große Wertebereiche werden übersichtlicher**+$A_{\rm V, eq}=\prod A_{i} = A_1 \cdot A_2 \cdot A_3$.
  
-Ein sehr großes lineares Verhältnis wie+In der dB-Darstellung wird daraus dagegen eine Summe:
  
-$A_{\rm V}=10\,000\,000$+$A_{\rm V,eq}^{\rm dB}=\sum A_i^{\rm dB} = A_1^{\rm dB} + A_2^{\rm dB} + A_3^{\rm dB}$.
  
-entspricht beispielsweise+Im dargestellten Beispiel ergibt sich:
  
-$A_{\rm V}^{\rm dB}=140~\mathrm{dB}$.+$A_{\rm V,eq}^{\rm dB} = \sum A^{\rm dB} = 88~{\rm dB} + (-58~{\rm dB}) + 14~{\rm dB} = 44~{\rm dB}$.
  
-Die logarithmische Darstellung vermeidet damit lange Zahlenfolgen mit vielen Nullen. 
  
-**2. Multiplikationen werden zu Additionen**+<WRAP center round important 80%> 
 +**Merke: dB-Darstellung**
  
-Bei mehreren hintereinandergeschalteten Stufen werden die linearen Übertragungsfaktoren multipliziert:+Für Strom- und Spannungsverhältnisse gilt:
  
-$A_{\rm V,ges}=A_1\cdot A_2\cdot A_3$.+  - Ein linearer Faktor von $\color{green}{\times 10}$ entspricht einem Pegel von $+ 20~{\rm dB}$. 
 +  - Ein linearer Faktor von $\color{green}{\times 2} $ entspricht ungefähr einem Pegel von $+ 6~{\rm dB}$. 
 +  - Der lineare Wert $A_{\rm V} = 1$ entspricht $0 ~{\rm dB}$.
  
-In dB können die zugehörigen Pegel dagegen einfach addiert werden: 
- 
-$A_{\rm V,ges}^{\rm dB} 
-=A_1^{\rm dB}+A_2^{\rm dB}+A_3^{\rm dB}$. 
- 
-Betrachten wir beispielsweise drei Stufen mit 
- 
-$A_1^{\rm dB}=88~\mathrm{dB}$, 
- 
-$A_2^{\rm dB}=-58~\mathrm{dB}$ und 
- 
-$A_3^{\rm dB}=14~\mathrm{dB}$. 
- 
-Dann ergibt sich unmittelbar 
- 
-$A_{\rm V,ges}^{\rm dB} 
-=88~\mathrm{dB}-58~\mathrm{dB}+14~\mathrm{dB} 
-=44~\mathrm{dB}$. 
- 
-<WRAP center round important 80%> 
 Für hintereinandergeschaltete Systeme gilt: Für hintereinandergeschaltete Systeme gilt:
  
-  * lineare Übertragungsfaktoren werden **multipliziert**, +  - lineare Übertragungsfaktoren $A_\rm V$ werden **multipliziert**, 
-  * Pegel in dB werden **addiert**.+  - Pegel $A_{\rm V}^{\rm dB}$ werden **addiert**.
 </WRAP> </WRAP>
  
-=== Etwas schwierigere Umrechnungen === 
  
-Mit den beiden Ankerpunkten+=== Weitere Beispiele für Spannungsverhältnisse in dB === 
 + 
 +Mit den beiden leicht merkbaren Stützstellen
  
-$20~\mathrm{dB}\widehat{=}\times10$+$\color{green}{\times 10} \rightarrow + 20~{\rm dB}$
  
 und und
  
-$6~\mathrm{dB}\widehat{\approx}\times2$+$\color{green}{\times 2} \rightarrow + 6~{\rm dB}$
  
-lassen sich viele Werte auch ohne Taschenrechner abschätzen.+lassen sich viele lineare Werte auch ohne Taschenrechner näherungsweise aus einem Pegel in $\rm dB$ bestimmen.
  
-Beispielsweise:+Beispiele:
  
-$38~\mathrm{dB} +  - <WRAP> $A_{\rm V}^{\rm dB}=58~{\rm dB}$ \\ mit den Stützstellen: 
-=20~\mathrm{dB}+3\cdot6~\mathrm{dB}$+$A_{\rm V}^{dB}=58~{\rm dB} = 40~{\rm dB} + 18~{\rm dB} = \color{blue}{2}\cdot 20~{\rm dB} + \color{magenta}{3}\cdot 6~{\rm dB}$ \\  
 +Linear ergibt sich daraus: $ \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \quad \  A_{\rm V} = 10^\color{blue}{2} \qquad  \cdot \qquad  2^\color{magenta}{3} \qquad = 100 \cdot 8 = 800$ </WRAP>\\ \\
  
-entsprechen näherungsweise+  - <WRAP>$A_{\rm V}^{\rm dB}=56~{\rm dB}$ \\ mit den Stützstellen: 
 +$A_{\rm V}^{dB}=56~{\rm dB} = 80~{\rm dB} - 24~{\rm dB} = \color{blue}{4}\cdot 20~{\rm dB} + \color{magenta}{-4}\cdot 6~{\rm dB}$ \\  
 +Linear ergibt sich daraus: $ \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \quad \ A_{\rm V} = 10^\color{blue}{4} \qquad \cdot \qquad  2^\color{magenta}{-4} \qquad = 10000 \cdot \frac{1}{16} = 625$ \\  oder alternativ  $qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad A_{\rm V}^{\rm dB} = 20~{\rm dB} + 36~{\rm dB} \rightarrow A_{\rm V}= 10^\color{blue}{1} \cdot 2^\color{magenta}{6} = 10 \cdot 64 = 640$ </WRAP>\\ \\
  
-$10\cdot2^3=80$. +  - <WRAP>$A_{\rm V}^{\rm dB}=56~{\rm dB}$ \\ mit den Stützstellen: 
- +$A_{\rm V}^{dB}=56~{\rm dB} = 40~{\rm dB} + 18~{\rm dB} - 3~{\rm dB} = \color{blue}{2}\cdot 20~{\rm dB} + \color{magenta}{3}\cdot 6~{\rm dB}  + \color{teal}{-\frac{1}{2}}\cdot 6~{\rm dB}$ \\  
-Ebenso gilt: +Linear ergibt sich daraus: $ \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad \qquad  \ A_{\rm V} = 10^\color{blue}{2} \qquad \cdot \qquad  2^\color{magenta}{3}  \qquad \cdot \qquad  2^\color{teal}{-\frac{1}{2}} \approx 100 \cdot 8 \cdot 0.707  = 560$ </WRAP>
- +
-$-38~\mathrm{dB} +
-=-20~\mathrm{dB}-3\cdot6~\mathrm{dB}$ +
- +
-und damit näherungsweise +
- +
-$0.1\cdot2^{-3}=0.0125$. +
- +
-Der Wert $-3~\mathrm{dB}$ wird im Folgenden noch eine besondere Bedeutung erhalten.+
  
 +Der Wert $-3~{\rm dB}$ wird im Folgenden noch eine besondere Bedeutung erhalten.
  
  
 ==== 2.1.4 Das Bode-Diagramm ==== ==== 2.1.4 Das Bode-Diagramm ====
  
-Das Bode-Diagramm dient dazu, das Übertragungsverhalten eines Systems übersichtlich über einen großen Frequenzbereich darzustellen.+Das Bode-Diagramm soll das Übertragungsverhalten eines Systems übersichtlich darstellen.
  
-=== Vorüberlegung: komplexe Größen ===+=== Vorbetrachtung: komplexe Zahlen ===
  
-Eine komplexe Zahl kann grundsätzlich durch zwei reelle Größen beschrieben werden.+Eine komplexe Zahl kann immer durch zwei reelle Größen beschrieben werden. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:
  
-Eine Möglichkeit ist die Darstellung über Real- und Imaginärteil:+<WRAP> 
 +<imgcaption BildNr01 | Beispiel: Darstellung von komplexen Zahlen> 
 +</imgcaption> 
 +{{drawio>DarstellungVonKomplZahlenV01.svg}} 
 +</WRAP>
  
-$\underline A +  - Darstellung durch Realteil $\Re(\underline{A}_{\rm V})=A_{\rm V} \cdot \cos(\varphi)$ und Imaginärteil $\Im(\underline{A}_{\rm V})=A_{\rm V} \cdot \sin(\varphi)$ in $\underline{A}_{\rm V}= \Re(\underline{A}_{\rm V}) + {\rm j} \cdot \Im(\underline{A}_{\rm V})$
-=\Re(\underline A)+{\rm j}\cdot\Im(\underline A)$.+
  
-Alternativ kann dieselbe komplexe Zahl über Betrag und Phase beschrieben werden:+  - Darstellung durch Betrag $A_{\rm V} = |\underline{A}_{\rm V}|$ und Phase $\varphi = \arctan \left( \frac{\Im(\underline{A}_{\rm V})}{\Re(\underline{A}_{\rm V})} \right)$ in $\underline{A}_{\rm V}=A_{\rm V} \cdot {\rm e}^{{\rm j} \varphi}$
  
-$\underline A +Die zweite Darstellung ist für die Betrachtung frequenzabhängiger Spannungsverhältnisse besonders geeignet. Sie trennt die Änderung der Amplitude von der zeitlichen Verschiebung bzw. Phase.
-=|\underline A|\cdot{\rm e}^{{\rm j}\varphi}$.+
  
-Für die Betrachtung frequenzabhängiger Spannungsübertragungen ist die zweite Darstellung besonders geeignet. 
- 
-Damit lässt sich das komplexe Übertragungsverhältnis 
- 
-$\underline A_{\rm V}(f) 
-={{\underline U_{\rm O}(f)}\over{\underline U_{\rm I}(f)}}$ 
- 
-durch zwei Größen beschreiben: 
- 
-  * den Betrag $|\underline A_{\rm V}(f)|$ und 
-  * die Phase $\varphi(f)$. 
- 
-Der Betrag beschreibt, wie stark das Signal übertragen wird. Die Phase beschreibt die Verschiebung zwischen Eingangs- und Ausgangssignal. 
  
 === Entwicklung des Bode-Diagramms === === Entwicklung des Bode-Diagramms ===
- 
-Betrachten wir zunächst den Frequenzgang eines einfachen RC-Glieds. 
  
 <WRAP> <WRAP>
-{{url>https://www.falstad.com/afilter/circuitjs.html?cct=$+1+0.000005+0.75+44+0.5+50%0A%25+1+8761050.782000184%0Ac+240+160+240+48+0+1e-9+0%0Ar+112+48+240+48+0+16000%0AO+240+48+352+48+1%0Ag+240+160+240+192+0%0A170+112+48+80+48+3+20+1000+50+0.1%0Ax+326+77+343+80+0+24+U%0Ax+339+86+357+89+0+24+O%0Ax+120+88+126+91+0+24+I%0Ax+101+79+118+82+0+24+U%0A noborder}}+{{url>https://www.falstad.com/afilter/circuitjs.html?cct=$+1+0.000005+5+44+0.5+50%0A%25+1+8761050.782000184%0Ac+240+160+240+48+0+1e-9+0%0Ar+112+48+240+48+0+16000%0AO+240+48+352+48+1%0Ag+240+160+240+192+0%0A170+112+48+80+48+3+20+1000+50+0.1%0Ax+326+77+343+80+0+24+U%0Ax+339+86+357+89+0+24+U%0Ax+120+88+126+91+0+24+I%0Ax+101+79+118+82+0+24+U%0Ao+4+16+0+34+5+0.00009765625+0+-1+in%0Ao+2+16+0+34+2.5+0.00009765625+1+-1+out%0A noborder}}
 </WRAP> </WRAP>
  
-Im unteren Teil der Simulation ist der Betrag des Übertragungsverhältnisses als Funktion der Frequenz dargestellt.+Um die Frequenzabhängigkeit des Spannungsübertragungsverhältnisses besser zu verstehen, kann dessen Betrag als Funktion der Frequenz $f$ dargestellt werden: $|A_{\rm V}(f)|$.
  
-Bei kleinen Frequenzen liegt das Spannungsverhältnis nahe $0~\mathrm{dB}$. Mit steigender Frequenz nimmt die Ausgangsspannung zunehmend ab.+Sinnvoll ist es, das Spannungsverhältnis als Pegel $|A_{\rm V}^{\rm dB}(f)|$ darzustellen.
  
-Bewegen Sie den Mauszeiger über die Kurve. Für verschiedene Frequenzen können jeweils Frequenz und Verstärkung in $\mathrm{dB}$ abgelesen werden.+Die Simulation zeigt den Verlauf von $|A_{\rm V}^{\rm dB}(f)|$ für einen Tiefpass im unteren Bereich der Darstellung. Der Verlauf beginnt links bei ungefähr $0~{\rm dB}$ und fällt für höhere Frequenzen deutlich ab.
  
-In einer zunächst linearen Darstellung der Frequenzachse ist jedoch ein Problem zu erkennen:+Wird der Mauszeiger über das Diagramm bewegt, kann für jede Frequenz der jeweilige Wert der Verstärkung in $\rm dB$ angezeigt werden.
  
-Ein großer Teil der interessanten Änderung findet in einem relativ kleinen Bereich der x-Achse statt. Charakteristische Punkte des Frequenzgangs sind deshalb nur schwer abzulesen.+Beim Anklicken eines Punktes im Frequenzgang zeigt die Simulation außerdem die zu dieser Frequenz gehörenden Strom- und Spannungsverhältnisse in der Schaltung.
  
-Schalten Sie deshalb über+Bei einer linearen Frequenzachse ist es allerdings schwierig, charakteristische Punkte wie beispielsweise die Grenzfrequenz aus dem Frequenzgang abzulesen.
  
-''Options'' >> ''Linear Scale''+Wird auch die Frequenzachse logarithmisch dargestellt, ergibt sich ein deutlich übersichtlicheres Bild. In Falstad kann dies über ''Options'' >> ''Linear Scale'' umgeschaltet werden.
  
-zwischen linearer und logarithmischer Frequenzdarstellung um.+Nun werden
  
-Mit logarithmischer Frequenzachse wird das Verhalten deutlich übersichtlicher:+  * der zunächst nahezu konstante Verlauf bei niedrigen Frequenzen und 
 +  * der Abfall bei höheren Frequenzen
  
-  * Für kleine Frequenzen ist der Amplitudengang nahezu konstant. +sehr deutlich sichtbar.
-  * In einem Übergangsbereich beginnt die Kurve abzufallen. +
-  * Für hohe Frequenzen ergibt sich näherungsweise eine Gerade.+
  
-Aktivieren Sie zusätzlich über+Die Phase kann über ''Options'' >> ''Show Phase'' eingeblendet werden.
  
-''Options'' >> ''Show Phase'' 
  
-die Darstellung der Phase.+=== Beschreibung des Bode-Diagramms ===
  
-Damit erhalten wir die beiden Bestandteile des später so genannten Bode-Diagramms.+<WRAP> 
 +<imgcaption BildNr21 | Prinzipdarstellung eines Bode-Diagramms> 
 +</imgcaption> 
 +{{drawio>Prinzipbild_des_Bodediagramms.svg}} 
 +</WRAP>
  
 +Das Bode-Diagramm ermöglicht die **Darstellung einer komplexwertigen, frequenzabhängigen Größe in logarithmischer Form**.
  
 +Der Frequenzgang wird dabei in zwei Darstellungen aufgeteilt:
  
-==== 2.1.5 Beschreibung des Bode-Diagramms ====+  * den **Amplitudengang**, der die Amplitude logarithmisch als dB-Pegel über einer logarithmischen Frequenzachse darstellt, 
 +  * den **Phasengang**, der die Phase linear über einer logarithmischen Frequenzachse darstellt.
  
-Ein Bode-Diagramm ermöglicht die **Darstellung einer komplexwertigen, frequenzabhängigen Größe in logarithmischer Form**.+Eine Änderung der Frequenz um den Faktor $\times 10$ wird als **Dekade** bezeichnet.
  
-Es besteht aus zwei Teilen:+Der Amplitudengang verschiedener grundlegender Funktionen kann damit einfach beschrieben werden. Dabei bezeichnet $\mathcal{C}$ einen beliebigen frequenzunabhängigen Faktor:
  
-  * dem **Amplitudengang** und +  - $|A_{\rm V}(f)| = \mathcal{C} \cdot f$: \\ Wird eine Funktion betrachtet, die linear mit $f$ wächst, führt eine Verzehnfachung der Frequenz zu einer Verzehnfachung des Spannungsübertragungsverhältnisses. \\ Daraus ergibt sich ein Anstieg um $+20~{\rm dB}$ pro Dekade.
-  * dem **Phasengang**.+
  
-=== Amplitudengang ===+  - $|A_{\rm V}(f)| = \mathcal{C} / f$: \\ Ist eine Funktion umgekehrt proportional zu $f$, führt eine Verzehnfachung der Frequenz zu einer Verringerung des Spannungsübertragungsverhältnisses auf ein Zehntel. \\ Daraus ergibt sich ein Abfall um $-20~{\rm dB}$ pro Dekade.
  
-Im Amplitudengang wird der Betrag des Übertragungsverhältnisses in $\mathrm{dB}$ über der logarithmischen Frequenz dargestellt.+  - $|A_{\rm V}(f)| = \mathcal{C} / f^n$: \\ Ist eine Funktion umgekehrt proportional zu $f^n$, führt eine Verzehnfachung der Frequenz zu einer Verringerung des Spannungsübertragungsverhältnisses auf $1/10^n$. \\ Daraus ergibt sich ein Abfall um $-20~{\rm dB} \cdot n$ pro Dekade.
  
-Die logarithmische Darstellung des Betrags entsteht bereits durch die Verwendung der dB-Skala.+Als Alternative zum exakten Verlauf werden $|A_{\rm V}(f)|$ und $\varphi(f)$ gelegentlich näherungsweise durch Geradenstücke dargestellt.
  
-Damit werden sowohl 
  
-  * die Frequenzachse als auch +<WRAP center round important 80%> 
-  * das Amplitudenverhältnis+**Merke: Bode-Diagramm**
  
-logarithmisch dargestellt.+Das Bode-Diagramm bzw. der Frequenzgang besteht aus:
  
-=== Phasengang ===+  - **Amplitudengang:** Amplitude in dB über logarithmischer Frequenz. 
 +  - **Phasengang:** linear dargestellte Phase über logarithmischer Frequenz.
  
-Im Phasengang wird die Phase $\varphi$ in Grad über derselben logarithmischen Frequenzachse dargestellt. +Dadurch ergeben sich im Amplitudengang für Funktionen der Form $A(\omega) \sim \omega^n$ Geraden.
- +
-Die Phase selbst wird dabei linear aufgetragen. +
- +
-Das Bode-Diagramm besteht damit aus: +
- +
-^ Teil ^ y-Achse ^ x-Achse ^ +
-| Amplitudengang | Betrag in $\mathrm{dB}$ | Frequenz logarithmisch | +
-| Phasengang | Phase in Grad | Frequenz logarithmisch | +
- +
-=== Dekaden === +
- +
-Eine Verzehnfachung der Frequenz wird als **Dekade** bezeichnet. +
- +
-Beispielsweise liegen zwischen +
- +
-$100~\mathrm{Hz}$ und $1~\mathrm{kHz}$ +
- +
-genauso eine Dekade wie zwischen +
- +
-$10~\mathrm{kHz}$ und $100~\mathrm{kHz}$. +
- +
-Auf einer logarithmischen Frequenzachse besitzen diese beiden Bereiche deshalb dieselbe Breite. +
- +
-=== Steigungen im Amplitudengang === +
- +
-Betrachten wir zunächst eine Funktion der Form +
- +
-$|A_{\rm V}(f)|=\mathcal C\cdot f$, +
- +
-wobei $\mathcal C$ eine frequenzunabhängige Konstante ist. +
- +
-Wird die Frequenz um den Faktor $10$ erhöht, steigt auch der Betrag um den Faktor $10$. +
- +
-Ein Faktor $10$ entspricht $+20~\mathrm{dB}$. +
- +
-Daraus ergibt sich eine Steigung von +
- +
-$+20~\mathrm{dB/dec}$. +
- +
-Für +
- +
-$|A_{\rm V}(f)|={{\mathcal C}\over f}$ +
- +
-führt eine Verzehnfachung der Frequenz dagegen zu einem Zehntel des ursprünglichen Betrags. +
- +
-Das entspricht $-20~\mathrm{dB}$ pro Dekade. +
- +
-Allgemeiner gilt für +
- +
-$|A_{\rm V}(f)|={{\mathcal C}\over f^n}$: +
- +
-Bei einer Verzehnfachung der Frequenz verringert sich das Amplitudenverhältnis um den Faktor $10^n$. +
- +
-Im Bode-Diagramm entspricht dies einer Steigung von +
- +
-$-20n~\mathrm{dB/dec}$. +
- +
-^ Verhalten ^ Steigung ^ +
-| $A(f)\sim f$ | $+20~\mathrm{dB/dec}$ | +
-| $A(f)\sim1/f$ | $-20~\mathrm{dB/dec}$ | +
-| $A(f)\sim1/f^2$ | $-40~\mathrm{dB/dec}$ | +
- +
-<WRAP center round important 80%> +
-Ein Bode-Diagramm besteht aus +
- +
-  * **Amplitudengang:** Betrag in $\mathrm{dB}$ über logarithmischer Frequenz, +
-  * **Phasengang:** Phase in Grad über logarithmischer Frequenz. +
- +
-Für Funktionen der Form $A(f)\sim f^n$ entstehen im Amplitudengang Geraden.+
  
 Insbesondere gilt: Insbesondere gilt:
  
-  * $A(f)\sim f \rightarrow +20~\mathrm{dB/dec}$ +  - für $A(\omega) \sim \omega$ eine Steigung von $+ ~\rm 20dB/decade$, 
-  * $A(f)\sim1/f \rightarrow -20~\mathrm{dB/dec}$+  - für $A(\omega) \sim \frac{1}{\omega}$ eine Steigung von $-20~\rm dB/decade$.
 </WRAP> </WRAP>
  
-=== Asymptotische Darstellung === 
  
-In technischen Skizzen wird der tatsächliche Verlauf des Amplitudengangs häufig durch Geraden angenähert.+=== Praktische Untersuchung des Bode-Diagramms ===
  
-Diese asymptotische Darstellung ist besonders praktisch, weil sich charakteristische Frequenzbereiche und Steigungen schnell erkennen lassen.+Verwenden Sie die Simulation oben und untersuchen Sie den Frequenzgang zunächst ohne Rechnung.
  
-Der reale Verlauf geht dabei kontinuierlich von einem Bereich in den nächsten über.+  - Bewegen Sie den Cursor von niedrigen zu hohen Frequenzen über den Amplitudengang. 
 +  - Beobachten Sie, wie sich $U_{\rm O}$ gegenüber $U_{\rm I}$ verändert. 
 +  - Schalten Sie die Phase ein. 
 +  - Suchen Sie den Bereich, in dem der Amplitudengang beginnt deutlich abzufallen. 
 +  - Vergleichen Sie zwei Frequenzen, die ungefähr eine Dekade auseinanderliegen. 
 +  - Bestimmen Sie näherungsweise die Änderung des Pegels zwischen diesen beiden Punkten.
  
-In den folgenden Blöcken werden wir diese Darstellung nutzen, um das Verhalten realer Kondensatoren und später ganzer Filterschaltungen abzuschätzen.+Die Rechnung zur Grenzfrequenz und die genaue Analyse des RC-Tiefpasses folgen später. In diesem Block steht zunächst das **Lesen und Interpretieren des Bode-Diagramms** im Vordergrund.
  
  
  
-==== 2.1.6 Die -3-dB-Grenze ==== 
- 
-Beim betrachteten RC-Glied ist im Bode-Diagramm ein Übergang zwischen zwei Bereichen zu erkennen: 
- 
-  * bei kleinen Frequenzen ist der Betrag nahezu konstant, 
-  * bei hohen Frequenzen fällt er näherungsweise mit $-20~\mathrm{dB/dec}$. 
- 
-Eine charakteristische Frequenz dieses Übergangs ist die **Grenzfrequenz** $f_c$. 
- 
-An dieser Stelle beträgt das Amplitudenverhältnis gegenüber dem Wert im Durchlassbereich 
- 
-$|A_{\rm V}|={1\over\sqrt{2}}\approx0.707$. 
- 
-In dB ergibt sich: 
- 
-$20\log_{10}\left({1\over\sqrt{2}}\right)\approx-3~\mathrm{dB}$. 
- 
-Deshalb wird diese Frequenz auch als **$-3~\mathrm{dB}$-Grenzfrequenz** bezeichnet. 
- 
-<WRAP center round important 80%> 
-$-3~\mathrm{dB}$ bedeuten bei einem Spannungsverhältnis nicht „halbe Spannung“. 
- 
-Es gilt: 
- 
-  * Spannungsverhältnis: ungefähr $0.707$ 
-  * Leistungsverhältnis bei gleichem Widerstand: $0.5$ 
-</WRAP> 
- 
-Für einen RC-Tiefpass erster Ordnung beträgt die Phasenverschiebung an der Grenzfrequenz ungefähr $-45^\circ$. 
  
-Die detaillierte Herleitung der Grenzfrequenz erfolgt später bei der konkreten Analyse von Filterschaltungen. 
  
 ==== 2.1.7 Frequenzgang und die Leit-Schaltung ==== ==== 2.1.7 Frequenzgang und die Leit-Schaltung ====